Zug um Zug durch Sumsel, Südsumatra

Sumsel

“Öha, wie soll man das denn verstehen? Sumsel?”

Indonesier kürzen gerne ab. Nasi Goreng, heißt hier nur Nasgor. Die quer liegenden Verkehrsberuhigungshubbel hießen früher polisi tidur (Polizei schläft), heute poldur. Sumsel heißt der Bundesstaat Sumatra Selatan (Südsumatra). Willkommen in Indonesien, Willkommen Sumsel!

Erinnerungssplitter

Nur vereinzelt ragen Erinnerungssplitter aus meiner ersten Reise durch Sumatra heraus (1978). Ein sehr eindrucksvoller ist, dass wir in einem coolen Toyota-Jeep (vermutlich 70er Baureihe) auf einer schmalen Straße durch Sumatra fuhren und auf einmal eine Eisenbahnbrücke sich über die Straße spannte. Überraschenderweise fuhr darauf auch noch eine Dampflokomotive mit ein paar Wagons. Überraschend deshalb, weil damals vermutlich noch viel seltener Eisenbahnen fuhren, als heute. Was für ein Zufall muss das damals gewesen sein! Ein unglaubliches Erlebnis. Betrüblich nur, dass unser Fahrer damals so eine lahme Kröte war, der seinen Jeep aus irgendeinem Grund schonen musste und nicht ordentlich Gas gab, so wie in der Werbung (Vollgas durch den Matsch – Camel-Trophy im Dschungel Sumatras – damals war die Werbung ja noch wahr).
Also verloren wir den Zug nach ein zwei Straßenbiegungen wieder. Vielleicht trennten sich aber auch einfach nur die Wege. Was weiß denn schon mein Erinnerungssplitter…

Nach unserer Ankunft in Jakarta, hatten wir im Wayang-Museum ein Werbeplakat gesehen, das irgendwie an diese Erinnerung anknüpfte. Subliminale Wahrnehmung während eines Museumsbesuchs.

Werbung Sumatra
meine Erinnerung war viel besser, allerdings ist dieses Photo nur ein Photo vom Photo durch eine Glasscheibe

Ich weiß nicht, ob ich es schon einmal erwähnt haben. Wir sind überzeugte ÖNV-Fans. Und mit der Eisenbahn durch Südsumatra zu fahren, hat irgendwie etwas von

“Wenn man lange genug nach Westen fährt, dann kommt man schon nach Indien”

Neuland

Will sagen, man betritt Neuland. Oh ja, ich weiß, vor uns waren da sicher schon einmal Menschen. Schließlich verlegen sich die Gleise nicht von allein …
Evi hat in den tiefen des Internet das Kursbuch der KAI (Kreta Api Indonesia) ausgegraben und eine wunderbare Route ausgearbeitet durch Orte, die Gold und Silber versprachen (zumindest eine goldene Ananas).

Außerdem gibt es diese wunderbare KAI-Access App, die allerdings nur Reservierungen in den besseren Zügen zulässt. Die Holzklasse (hier Ekonomi genannt) ist nicht reservierbar via dieser App.
Weniger erfreulich sind die Namen der Bahnhöfe. Sie heißen sehr häufig anders als die Städte. Dies ist aus der App, Kursbuch etc. nicht ersichtlich. Das muss man halt einfach wissen, oder man leitet es sich historisch ab, um zu den häufig alten Stadt- oder Stadtteilnamen zu gelangen: Wenn man also z.B. von Bandar Lampung nach Palembang fahren will, dann muss man die Namen der Stationen kennen, falls man selbständig im Internet danach suchen will, an unserem Beispiel Tanjung Karang und Kertapati. Die Onlineauswahl ist (derzeit) noch nicht so ausgeklügelt verknüpft, dass man nach Auswahl des Abfahrtsbahnhofs, erkennen kann, wo der Zug hin fährt und wo er hält. Auch im Streckenplan fehlt dies derzeit noch, aber das wird sicher bald hinzugefügt und wir sind heilfroh, dass es nicht so miserabel ist, wie die Onlinepräsenz von Pelni, der indonesischen Schifffahrtsgesellschaft, die die Inseln mit großen Passagierschiffen verbindet (aber das ist ein anderes, ungeschriebenes Kapitel).

Unsere Planung

Wir wollen von Bandar Lampung nach Prabumulih. Prabumulih ist berühmt für seine Ananas. Es gibt einen Tugu (=Säule), der das Selamat Datang Monument des Kreisverkehrs in Jakarta auf den Arm nimmt (frech! – nakal). Hier hält die Maid keinen Blumenstrauß in der Hand, sondern eine Ananas. Einer unserer Lieblingsjuices in Indonesien ist Jus Nenas (ratet … ). Da müssen wir hin.

“Prabumulih – Stadt der goldenen Ananas!”

Außerdem bietet es sich an, hier umzusteigen und weiter nach Lubuk Linggau zu fahren. Der Endstation, bevor das Barisan Gebirge dem Eisenbahnbau Einhalt gebietet. Das Ziel unserer Reise soll Bengkulu sein, berühmt durch seine entlegene Lage, das strategisch miserabel ausgestattete Fort Marlborough, von Sir Stamford Raffles auf Vordermann gebracht, von seiner zweiten Frau zu viel Ruhm und Ehre verholfen und nicht zuletzt Geburtsort von Ibu Fatmawati Soekarno, welche die erste Flagge des heutigen Indonesiens genäht hatte und damals die dritte Ehefrau Soekarnos gewesen ist. Außerdem liegt Bengkulu im Westen und ist damit Garant für Sonnenuntergänge (es werden Giga-Byte-Tonnen von Sonnenuntergangsbildern – kitschig-orangene Bilder mit Schattenrissen von Palmen und schönen Menschen im Vordergrund, nicht nur der Bildschirm wird sich blutrot färben, auch die Augen des Betrachters).

Wir haben uns die wenigen Züge ausgesucht, die tagsüber fahren, da wir die Landschaft sehen möchten.
In der Früh noch schnell ein Foto vom Sonnenaufgang in Bandar Lampung und nach einem schnellen Frühstück verabschieden wir uns vom Hotel Marcopolo.

Sonnenaufgang hinterm Hotel Marcopolo Lampung
auch für uns ein seltener Anblick – Sonnenaufgang hinterm Hotel Marcopolo Lampung

KAI – Kereta Api Indonesia in Sumsel

Mit dem Angkot (was sonst) geht es zum Bahnhof “Tanjung Karang”.

Anzeige im Bahnhof Tanjung Karang
Anzeige im Bahnhof (ein bisschen geschummelt – es ist nur eine Anzeige)

Ein schmuckloser Bau, nebst integriertem Indomaret, der die Reisenden mit dem Nötigsten versorgt. Da wir nur Ekonomi reisen, bleibt uns der Zutritt zur VIP-Lounge verwehrt (naja, die Raumpflegerin gestattet mir Photos zu machen).

VIPLounge
VIP Lounge – wow! mit LCD TV Flatscreen …

 

KAI Crew
Draußen wir schon gearbeitet – Rapport der KAI Crew am Bahnhof

Wir haben Glück:  Eine doppelte 3er-Reihe für uns allein und es gibt Sitzplatzreservierungen, wie in den besseren Klassen. Kein Gedrängel, jeder sitzt da, wo er hin gehört. In unserem hintersten Wagon, Nr. 5, ist augenscheinlich nur die Belegschaft unterwegs. Alle drucksen um uns herum.

Ach wär’ das schön, neben so einem bule zu sitzen…
Dann könnten wir uns ein bisschen auf Englisch unterhalten …
Und ich schicke dann ein Selfie von ihnen und mir an meine Liebste …

Hallo! Genug geträumt! Wir sind zwar bule, aber das heißt nicht automatisch Selfies und kein Englisch, wir sprechen nur deutsch! Kein einziges Foto mit Mitreisenden, wir müssen einen Selfie-Tsunami im Zugabteil unbedingt verhindern. So erhalten wir uns ein bisschen Freiraum für die Fahrt.

Der Zug fährt pünktlich ab.

  • Erste Überraschung: Keine fliegenden Händler mehr (ist jetzt wieder eingesourced – KAI substituiert die externen Händler durch eigene Mitarbeiter).
  • Zweit Überraschung: Keine Fenster zum Öffnen und Hinauslehnen mehr.
  • Dritte Überraschung: Airconditioning und zwar fast ein bisschen zu kühl (Evi zieht den Reisesarong aus dem Rucksack).

Wir haben wieder Kekse dabei und ein Kaffee wäre jetzt prima.

KC: “Heloo Missterrrr! Kopi?” (Guten Tag mein Herr? Kaffee?)
P: “Ada kopi pahit?” (Haben Sie bitteren Kaffee? = schwarzer Kaffee)
KC: “Ada capocino dan hitam! (Cappuccino und schwarzen Kaffee!)
P: “Silakan satu” (Dann hätte ich gerne ein Tässchen)

Wir erhalten lauwarme Pappbecher. Einer zwar schwarz aber dennoch süß (hitam) und der andere zusätzlich mit Milch (capocino). Kaffee trinken ist in Südsumatra so eine Geschichte.

Sightseeing mit dem Zug

Gähn, draußen platte flache Kultur-Landschaft. Nicht, dass Kulturlandschaft ein Problem ist, denn Reisfelder sind ja auch sehr schön, vor allem, wenn terrassiert und gewässert mit Spiegelungen und einem Reisbauern, der mit zwei Kerbaus die Felder pflügt. Aber hier ist erstmal alles eben und die Felder sind großteils noch nicht bestellt. Hier hat die Regenzeit erst begonnen.

Graben
Be- oder Entwässerungsgraben?

Highlights sind Bahnübergänge, zündelnde Bauern, giftelnde Bauern und Bahnhöfe.

 

Ochsengespann
auch hier finden sich noch Bauern mit Ochsen vorm Pflug
Giftsprizender Bauer
Pestizide …, Herbizide…, Humizide!
Feuer auf Feldern Sumatras
zündelnde Bauern, das hat weniger mit den Bränden auf Sumatra zu tun, von denen in den Medien immer die Rede ist
Moschee
klar, das die Moschee leer steht, wenn das Feld bestellt werden muss (aber der Koran erlaubt Gebete nachzuholen)

Mit der Zeit (Stunden) wird es ein bisschen hügliger und die Reisfelder werden von Karetbaumplantagen (Kautschukbäume) abgelöst. Bemerkenswert: Entlang der Bahnstrecke sind keine wirklichen Plantagen zu erkennen. Also keine großen Schläge der bewirtschafteten Flächen. Alles klein-klein.
Während der Fahrt bleibt genug Zeit darüber nachzudenken, wie unterschiedlich unsere Wirtschaftssysteme auf dieser Welt laufen.
Wir verfolgen unsere Fahrt mit unserem Smartphone und nähern uns langsam unserem Ziel. Hoffnungsvoll erwarten wir den Blick auf die Ananasfelder, die bis zum Horizont gehen. Aber es bleibt bei den Gummiplantagen. Zeit für ein Nickerchen …

Schlaf an Zug
Nickerchen im Zug

Gelegentlich Industrie: Zementfabriken und  Kohle (vor allem in den Wagons der Güterzüge, die uns entgegenkommen oder uns auf Abstellgleisen den Weg frei machen). Immer wieder kleine Siedlungen, Bahnwärterhäuschen, Hütten. Beindruckende Flüsse (das Thema ist durch – als Isarindianer ist man von jedem größeren Fluss beeindruckt).

Fabrik am Horizont
Semen Indonesia – Basis für den Proses in Indonesia
Kohle im Truck
Kohle! Hinweis für: Wir sind auf besten Wege in die Lande, die Gold , Silber, Diamanten verheißen …
Angkot auf einer Straße in Sumatra
was sind wir froh, dass wir im Zug sitzen und nicht in diesem Angkot – Alltag in Sumatra während der Regenzeit

Wir sind nun Stunden unterwegs und mein Erinnerungssplitter entzündet sich allmählich in der Hirnhaut. Falscher Film, falsche Erinnerung? Hier sieht es komplett anders aus. Da muss ich wohl um Hilfe bitten. Also, liebe Mitreisende von damals, unten gibt es eine Kommentarfunktion. Helft mir doch auf die Sprünge.

Herbergssuche in Prabumulih

Wir erreichen Prabumulih, ohne eine einzige Ananas gesehen zu haben! Vermutlich wird aus den Gummibäumen die Basis für die in Indonesien so berühmte Ananasmarmelade gewonnen und hier mit naturidentischen Aromastoffen veredelt. Wir werden sehen.

Aus dem Bahnhof heraus, begrüßt uns eine Straßenstadt, die an Hässlichkeit ihresgleichen sucht.
Gleich in der Nähe haben wir zwei günstige Hotels ergoogelt. Das erste existiert nicht, das zweite ist von außen schon nicht akzeptabel. Ein drittes könnten wir gleich komplett kaufen, wenn man dem Banner am Eingang Glauben schenken mag. Da darauf auch ein Swimmingpool angeboten wird, wagen wir einen Blick hinein.

“Selamat sore? Adah kamar?”
(Guten Tag, Haben Sie noch Zimmer frei?)
“Selamat sore. Adah! Ini Hotel lama …”
(Guten Tag auch. Ja, haben wir. Dies ist ein altes Hotel …)

Oh ja! Und nicht nur die Zimmer sind alt, auch die Betten und die innenliegenden Badezimmer mit (hoffentlich nur von) Termiten zerfressenen Badtüren und marmorierten (nein, kein Marmor!) Badezimmerwänden.

Aber die junge Frau, die uns die Zimmer zeigt, ist unglaublich nett und hilfsbereit. Wir fragen nach dem Swimmingpool und erhalten (die nun nicht mehr ganz überraschende) Antwort, dass es hier keines gibt und das Plakat am Eingang ein ganz anderes Hotel meint. Wir nutzen diese Chance um uns vornehm zurückzuziehen.

“Hotel ini bagus, tapi kami cari hotel sama kolam bernang”

(So ein schönes Hotel …, aber wir suchen eines mit Swimmingpool.)

Vielen Dank fürs Besichtigen und ob sie nicht ein Hotel kennt, das einen Swimmingpool hat, hier in der Nähe. Na klar, gibt es eines hier in Prabumlih (Klar!)

“tapi jauh! Naik ojek!”

(aber weit weg, am besten mit dem O-jek zu erreichen)

Oh! Nee! Wie schaut’s mit Angkot aus? Nein? Die gibt’s hier nicht. Nur O-jek.
Kein Problem, wir sind ja die ganze Zeit gesessen und die paar Schritte sind kein Problem für uns.

Gehwegtypologie Südsumatra

Wir satteln unser Rucksäcke und trappeln los. Nun wird es Zeit ein paar Worte über “zu-Fuß-gehen” in Indonesiens Städten zu berichten. Die gute Nachricht vorweg: Es gibt Gehwege.
Hier eine kleine Typologie (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
– hohe Gehwege mit einer Bordsteinkante von ca. 40 cm; meist häufig von Ausfahrten unterbrochen
– schräge Gehwege um Autos/ Mopeds die Zufahrt in Geschäfte zu ermöglichen
– eben Gehwege aus Betonplatten, die Abwässergräben überdecken
– künstlerisch verzierte Gehwege (z.B. mit halbreliefierten Motiven wie Blumen)
– kaputte Gehwege mit losen Platten, Löchern oder einfach nur offene Kanäle
Gehwege können genutzt werden:
– als Parkplatz für Mopeds/ Autos
– als Restaurant (Warung) mit Sitzplätzen aus Bänken, Plastikhockern oder am Boden sitzend (Lesehan)
– als Abstellplatz für Blumenkübel (damit keine Mopeds den Gehweg als Abkürzung nutzen)
– als Verkaufsplatz für Kleinstunternehmer

Wenn man also zu Fuß unterwegs ist, steigt, umgeht, stolpert man, während man die Luft anhält, die Augen auf die Füße richtet und abwägt, ob der nächste Schritt von diesem Untergrund getragen wird, gleichzeitig mit “Hello Mister!” Begrüßungen und “Wo soll’s hingehen?” Fragen beschäftigt ist und sie möglichst freundlich erwidern soll. Sorry liebe Indonesier, wenn wir da manchmal ein bisschen bockig sind. Aber wenn man, nassgeschwitzt, mit einem 8kg-Rucksack am Buckel, einem O-Jek Motorradfahrer, der einem direkt vor die Füße fährt, den Gehweg mit seinem Moped versperr, einem ein “Hello Mister” entgegenschleudert und wissen will, wo man hingeht, in der Hoffnung man möge ihn engagieren, man ihm über die Straße ausweichen musst (40 cm rauf und runter), dann kann es sein, dass man nicht lächelnd “Hello Mister” antwortet und bereitwillig sagt, dass man auf der Suche nach einem Hotel ist.

Wir sind als Fußgänger andere Verhaltensweisen gewohnt.

“Adah Proses!”

Ja, Indonesien ist in einem Entwicklungsprozess. Und es entwickelt sich.

aktueller Einschub #KamiAhok

Gutes Stichwort! Das aktuelle Thema in den Medien ist hier (nach der Wahl des US-Präsidenten), der “Skandal” um den derzeitigen Gouverneur von Jakarta, in seiner Abkürzungsform als “Ahok” bekannt.  Im Fernsehen, rauf und runter Breaking News zum Thema Basuki Tjahaja Purnama alias Ahok. Mein Indonesisch ist leider nur sehr simpel, sodaß ich nur einen Bruchteil verstehe, meist mit Unterstützung durch Evi mit Online-Dictionary auf dem Schoß. Dann lesen wir auch online die News und aus all dem versuchen wir uns eine Meinung zu bilden.

Ahok hat im Kontext einer Wahlveranstaltung eine Sure aus dem Koran zitiert, die Moslems nur die Wahl von Moslems erlaubt und seinen potenziellen Wählern geraten, dies nicht als bare Münze zu nehmen, schließlich würde er, Christ, sich auch gern von Moslems wählen lassen. Dieses Auslegen des Korans ist ihm von muslimischen Gruppierungen als Gotteslästerung/ Blasphemie ausgelegt worden. Er hat sich laut Medien dafür entschuldigt und soll jetzt dennoch wegen Blasphemie angeklagt werden. Dafür gibt es in Indonesien ein Gesetz. So wie es bei uns ein Gesetz gibt für Majestätsbeleidigung (war da nicht irgendetwas?). Die indonesische Polizei hat nun eine Anhörung angesetzt, die diesen Sachverhalt klären soll. Dazu wurden diverse Vertreter muslimischer Gruppen als Beobachter, sowie Ombudsmänner (ist das die Mehrzahl von Ombudsmann?) eingeladen. Termin verstrich und Ahok ist nicht gekommen. Ach ja, und zufällig finden Gouverneurswahlen Anfang 2017 statt, passt doch, oder?

Nächste Runde … Derweil kochen die Medien hoch: #KamiAhok ist zeitweilig der vierthäufigste Hashtag der Welt gewesen. Amnesty International schaltet sich ein. Und wir sitzen vor dem LCD Flachbildschirm, staunen über andere Länder, ähnliche Sitten und im Bus oder am Bahnhof versichert man uns, dass sowas nur in Jakarta passiert. Hier in . Prabumulih, Lubbuk Linggau, Bengkulu, etc. sind die Menschen noch anständig, da gibt es keine Demonstrationen mit Gewalt. Spannend! Derweil läuft im Goethe-Institut in Jakarta eine Film über ein Schamanenmädchen, das mit einem Dukun (so schön als Schamane übersetzt) im Wald lebt … mit dem wunderbaren indonesischen Titel, “Another Trip to the Moon”. Mal abgesehen davon, wie wir die Aufgabe des Goethe-Instituts bewerten sollen, fragen wir uns, auf welchem Trip sind wir hier eigentlich?

Ach ja: Prabumullih! Stadt ohne ÖNV

In dieser Stadt gibt es keine öffentlichen Verkehrsmittel außer O-Jek (die Mopedtaxis, auf die wir uns bisher nicht gewagt haben und es auch nicht in Zukunft ausprobieren wollen). Gibt es so was? Hier, mitten in Sumsel, Südsumatra?

Wir latschen also vollbepackt die Hauptstraße in Prabumulih entlang. Vorbei an einer Verhohnepiepelung der wunderbaren Monumente in Jakarta (Hotplate Carriere & 7-up) (wie kann man nur!) und erreichen wir nach ca. 2,5 km unser favorisiertes Hotel “City Hotel”.

Tja, nur noch die Suite ist frei (knapp 600.000 RP = 50€!). Bitte? Pah! Never! Nee, so schlapp sind wir nicht! Oder wer weiß, vielleicht schon so ausgelaugt, dass das Hirn schon unterversorgt ist und rebelliert. Wir laufen 500 m weiter. (Wenn ich das jetzt so schreibe, hört sich das irgendwie popelig an, aber wenn man nach 8 Stunden Zugfahrt, eine Stunde in tropischer Schwüle rumrennt, sind 500 m weit!).

Nyora

Um die Ecke, 50m von der Hauptstraße entfernt, erscheint wie aus dem Nichts ein … hm … Palast. Unsere letzte Hoffnung!

Hotel Nyora Front
Edel? “Bersih, Murah, Nyorah” – unsere Erlösung

“Bersih, Murah, Nyora”
Sauber, günstig, Nyora

Auch wenn es so aussieht wie ein Edelpuff, es ist ein erzkonservatives Hotel – überall Zettel, wie man sich richtig zu verhalten hat (ihr wisst schon, wie in der Kaffeeküche/Toilette in deutschen Betrieben)

Hotel Nyora
So lebt es sich im Hotel Nyora am Besten, ohne in Konflikt mit der Hotelleitung zu geraten – aber Konflikt? – Sowas gibt es hier in Prabumulih nicht

Wir checken ein! Fix und fertig, schleppen uns noch vor bis zum KFC (Schande! Schäm!), um eine kühle Cola mit Eiswürfeln und eine Portion Pommes zu essen.

Und man glaubt es kaum, hier haben wir wirklich gut geschlafen.
Aber, in einem Ort ohne öffentliche Verkehrsmittel, in dem die Ananas angebetet wird, ohne dass sie zu sehen oder zu kaufen ist, bleiben wir höchstens eine Nacht. Gute Nacht!