Sonnenstich trotz Regenzeit – Bencoolen

“Bengkulu – Bencoolen”

entwickelte sich, nachdem Sir Stamford Raffles diesen Ort mit einer (neuen) Straße an die Welt angeschlossen hatte, nicht wirklich weiter. Böse Zungen behaupten, das wäre heute immer noch so. Dennoch gibt es einen weiteren entscheidenden Schub, den Bengkulu in den späten 1930er Jahren erhalten hat. Ein junger charismatischer Unabhängigkeitskämpfer, Nationalheld Indonesiens, wurde hierher ins Exil geschickt. Wir sprechen hier von niemandem anderen als Soekarno, dem Staatsgründer Indonesiens, Verehrer ungezählter Frauen, Erfinder des Monument Nasional, Einer der Nation Indonesiens, raffinierter Stratege, Trotzer der Ost-West Politik, Erfinder der Blockfreien Staaten, Staatsmann und Initiator toller Hotels in Indonesien aber auch tragischer Verlierer nach dem 30.Sep.65 – Putsch. Wie so oft, auch er hätte aufhören sollen, als es am Schönsten war.

Bengkulu als Exil

Es spricht eigentlich Bände, das Bengkulu, Bencoolen, damals innerhalb Niederländisch Indiens als Exil angesehen wurde. Bisher hatten wir orang bule, mit unseren vermeintlichen Indonesien-Kenntnissen immer gedacht, Ula Watu in Bali wäre das Ende der Welt. Sorry, liebe Balifreunde, auch diesen Mythos müssen wir Euch nehmen. Das Ende der Welt ist und bleibt Bengkulu.

Ein Stückchen dahinter, liegt unser Hotel. Man geht ca. 1 Stunde entlang der Straße, die von einer Menge Autos benutzt wird. Ich weiß nicht, ob es aufgefallen ist, aber im letzten Beitrag hat man meinen Hut gesehen, der am Fernseher hing. Er hängt dort immer noch. Als wir Bengkulu verließen regnete es, sprich da ging er einfach nicht ab.
Das Hotelzimmer war prima, mit Veranda, Blick in einen schönen gepflegten Garten, auf die Straße mit den Autos und mit angeschlossener Hochzeitspartyhalle. Davor ein paar Schilder, wie in Indonesien üblich, die die Hochzeit ankündigten. Als erstes überquerten wir die Straße, liefen durch einen schmalen, nur leicht verschmutzten, Pinienwald und stiegen die betonierten Wellenbrecher, alias Strandpromenade, hinunter. Der Strand, das Meer, der Rand der Welt! Das beeindruckt.

langer Strand
Photos! was sind schon Photos! Sowas muss man im Original erleben, mit allen Sinnen …

Leider ist hier Shwimmen nicht ganz ungefährlich. Angeblich schwimmen regelmäßig Touristen über die Kante hinaus (sprich: one way). Trotzdem. Wir sind beeindruckt.

Pantai Panjang

wo ein Lesehan, da auch ein Warung
wo ein Lesehan, da auch ein Warung

Im Pinienwäldchen, das die schmalen Stranddünen zu festigen scheint, sind unzählige Warungs, Lesehans und öffentliche Toiletten. Wir kehren ein und lassen uns frisch ein Nasgor und Bami Goreng zubereiten. Ein heißen Teh pahit für Evi, einen Es Teh für mich (toll, mit seperatem Eiswürfelteller, aus dem man sich die Eiswürfel nachlöffeln kann). Selten so gut gegessen.

Nasi Goreng und Bamie Goreng
wirklich alles frisch auf den Tisch – sogar die Krupuk waren noch warm

Danach wäre ein erneuter Blick auf den Strand mit Sonnenuntergang ein wunderbarer Abschluss für einen langen Reisetag. Aber die Regenzeit schickt uns ein paar Wolken.

Nachts um 12 weckt uns ein Gewitter. Liegt es an den Tropen oder an der tropischen Bauweise. Die Gewitter sind hier lauter, beeindruckender, gewaltiger, wie eine fauchende Königskobra, keine Blindschleiche. Man ist gebannt, wie der Hase, kann irgendwie nicht weggehen und muss zuschauen (aber es lohnt sich! – sagt die Schlange).

überschwemmter Garten
Morgendämmerung nach einem anderen nächtlichen Gewitter – banjir (Überschwemmung) im Garten

Am nächsten Morgen, herrlicher Sonnenschein und ein enttäuschendes Frühstück in einem blickdichten Restaurant. Das nervt anscheinend nicht nur uns, sondern auch die Damen, die das Frühstück betreuen, sie suchen den Blick durch die Sehschlitze im Milchglas nach draußen Eigentlich bestand ihre Aufgabe darin, die Tür rechtzeitig zu öffnen, wenn ein neuer Gast herein kommen wollte. Aber man konnte sie auch um einen schwarzen Kaffee bitten, da der schwarze Kaffee in der Kaffeekanne bereits gesüßt war. Das dauerte dann ein bisschen und derweil musste man halt selber die Tür öffnen, was die Gäste auch tadellos bewerkstelligt haben.

Sehschlitz im Milchglas
Sehschlitz im Milchglas – Lauern auf den nächsten Gast …

Kopfweh und Durchfall überfallen mich? Lag es an den Eiswürfeln?
Wir spazieren dennoch im Schatten entlang des Pinienwaldstreifens, parallel zum Strand nach Bengkulu um ein paar Besorgungen zu machen (z.B. neuer Hut …). In der Bencoolen Mall angekommen erwischt es mich erneut heftig, Durchfall, Schlappheit, kalter Schweiß. Zum Glück in einer Mall, das sind die Toiletten in Ordnung. Aber Pech gehabt, heute nicht, hier nicht, nicht am Ende der Welt. Kein Schloss, dafür Gestank, alles schwimmt. Puh! Drecks-Bencoolen-Mall! Augen zu!

Vom Hut verlassen

Dennoch lustig gestaltet sich die Hutsuche im Departmentstore Matahari:

Ich hätte gerne eine Strohhut.

Strohhut … Strohhut? … Hut heißt topi. Aber was heißt Stroh und macht das wörtlich übersetzt auch Sinn?

Ein freundlicher junger Mitarbeiter begrüßt uns (Leitungsebene, keine Uniform). Sehr nett und gewillt uns zu helfen, auch um sein Englisch aufzubessern bzw. anzuwenden. Aber wir alle wissen nicht, was Strohhut auf englisch heißt. Wir deuten eine Rand neben einer Baseballmütze an.

“Ah, topi koboi”

(ich werf mich weg)
Klar, topi koboi, was sonst.

“Adah topi koboi?”
(habt ihr eine koboi-Hut?)

Der Rest der Belegschaft schwirrt aus, um mir einen Cowboyhut zu suchen.
Sie kommen freudestrahlend zurück, mit einem … Damenstrohhut.
Oh, wie nett! Ich setze in dennoch auf und auch gleich wieder ab (die netten Mädel, die alle um uns herumstehen, lachen verschämt mit vorgehaltener Hand). Oh wie schade, kein Smartphone zur Hand für ein gemeinsames Selfie …

Es bleibt bei der Baseballmütze.

Besser als gar nichts.  Denn die Diagnose lautet für mich: Sonnenstich, und wo kein Hut, da kein Hirn. Die nächsten zwei Tage ist Ruhe angesagt. Keine Sonne, Schlafen, viel trinken.

Umzug in die “Stadt”

Wir stellen fest, dass das Hotel, ressortähnliche Züge aufweist (abgeschieden, ohne Zugang zu örtlichen Märkten und Einrichtungen) und ziehen in ein Stadthotel in Bengkulu. Viel besser, vielleicht liegt es aber auch daran, das es mir wieder besser geht.

Wir verlegen unsere Aktivitäten auf die frühen Morgenstunden und den späten Nachmittag. Soviel zur Regenzeit in Bengkulu. Sonnenschein bis kurz vor Sonnenuntergang, dann epische Regenfälle. Die Nachrichten berichten regelmäßig von Überschwemmungen Allerorten. Meist beginnen sie damit, dass Jakarta absäuft, dann Bandung und jetzt auch noch Erdrutsche und kleinere Überschwemmungen im Gäu Bengkulu. Grübel … das entspricht in etwa unserer Reiseroute. Hoffentlich kommt hier niemand auf die Idee uns dafür verantwortlich zu machen, zu teeren, federn und aus der Stadt zu jagen.

Fort Marlborough

Wir besuchen das schon mehrfach erwähnte Fort Marlborough.

Fort Malborough
in keinem guten Blog, darf die 360°-schwenkbare Kanone fehlen, die notfalls gegen die eigenen Leute eingesetzt werden kann – Danke Sir Stamford Raffles

Das Museum ist bedauerlicherweise in einem erbärmlichen Zustand. Liegt aber vermutlich daran, dass gerade alles renoviert wird. Aber wie sagen Makler so gerne:

“Die Lage, die Lage, die Lage”

Rumah Soekarno

Ach und da war noch das Haus, von oben erwähntem Bung Karno. Soekarno wurde aufgrund seiner politischen Aktivitäten (Unabhängigkeit und so) von den Holländern hierher verbannt.
Er war damals schon ein echter Frauenheld und hat hier die bengkulische Fatmawati kennengelernt. Ein paar Jahre jünger und sicherlich total von diesem Tausendsassa beeindruckt. Besagtes Haus ist wirklich sehenswert. Soweit wir das verstanden haben, hat es Soekarno, der eigentlich Architekt war, selbst entworfen.

Haus Sukarno
… und ja, wenn wir zurück sind, bauen wir um.

Danach sind hier wohl diverse Amusements gelaufen. Parties mit der lokalen, von ihm gelittenen, Theatergruppe. Er hat sogar ein paar Theaterstücke geschrieben, die hier in Bengkulu sehr bekannt und beliebt waren. Gruppenbilder mit einer großen Anzahl von Teilnehmern zieren die Wände (die Damen alle ohne Hijab – how comes?).

Bett Sukarno
das berühmte Bett …

Man hat den Eindruck, dass mit Soekarno, die Hoch-Zeit Bengkulus gewichen ist. Es fiel wieder zurück in seinen Dornröschenschlaf am Ende der Welt, oder wie es schön im Englischen heißt:

“Once upon a time in far-far-away”

Erwähnenswert auch das Haus seiner Frau Fatmawati. Hübsch von außen. Drinnen eine Nähmaschine mit eingespannter Flagge, grad so, als hätte sie justament den Raum verlassen. Und mit ihr, alle Besucher dieser Gedänkstätte, denn wir sind hier allein. Doch kurz bevor das Haus verlassen, springen ca. 8 weißgekleidete Mullahs (?) aus einem Van, eilen auf uns zu, schütteln unsere Hände, auch die von Evi. Sie besuchen ebenfalls dieses Museum, das durchaus emanzipatorischen Züge trägt. Wir sind positiv überrascht.

Fatmawati Haus
das schönste Haus in Bengkulu

Mit dem Treppel retour

Allmählich geht die Zeit zur Neige. Wir müssen wieder aus Indonesien raus und den Rückweg nach Palembang antreten. Fliegen oder Nachtzug? Nachtzug. Fliegen ist einfach.

Den letzten Abend schenkt uns Bengkulu doch noch einen Sonnenuntergang.

das waren wir selber überrascht, dass wir die Sonne hinter der Kante untergehen konnten
da waren wir selber überrascht

Stellt Euch das aber nicht so romantisch vor wie es auf dem Bild aussieht. Erstmal erkennt man den Müll nicht so deutlich bei Gegenlicht und zweitens waren wir nicht allein. Damit meine ich nicht den Fischer auf dem Bild.

Sonnenuntergangsanbeter Bengkulu
kein einsamer Strand mit romantischen Sonnenuntergang – “Sonnenuntergangs-Selfie Misterrr”?

Mit dem Treppel … Halt! Dies bedarf einer kurzen Erklärung: F wird hier P gesprochen und geschrieben (s.o). Also nicht Travel sondern Treppel. Ein Treppel ist eigentlich ein Sammeltaxi, das von einer Agentur angeboten, von einem privaten Fahrer mit seinem Auto abgewickelt und genauso belegt wird, also wie ein Angkot – stapeln und drücken.

Mit dem Treppel brechen wir gemütlich um 9:00 Uhr auf. Eine Stunden Sammelfahrt, sorry, hat ein bisschen länger gedauert, da ein Fahrgast die Anrufe per Handy nicht wahrgenommen hat, weil er noch im Mandi (unter der Dusche) war. Das verzögerte alles ein bisschen aber, dafür riecht es im Auto gut.
Wir hatten eine sportlichen Fahrer, sportliche Fahrweise & sportliche Smartphonebedienung (gleichzeitig). Und zum Glück keine nennenswerten Zwischenfälle. Einsetzender Regen im Laufe der Fahrt, bis hin zu Gewitter bei der Ankunft in Lubuk Linggau (ja, wo mich mein Hut verließ).

Warten mit der KAI-Crew

Aus der Komfortzone des Taxis raus, durch die knöcheltiefe Pfütze vor das verschlossen Schiebetor der Kreta Api Indonesia. Diesmal, nicht nass geschwitzt, sondern nur nass geregnet, stehen wir allein (selten in Indonesien) vor geschlossenen Ticketschaltern und geschlossenem Wartebereich in Linggau (begossener Pudel Feeling). Die Aussicht hier weitere vier bis fünf Stunden zu warten drückt unsere Stimmung, als sich die Schiebetür einen Spalt öffnet und wir gebeten werden, herein zu kommen.
Das ist ja nett. Wir sagen nicht Nein und treten ein. Also Eintreten heißt hier durch das Tor treten, denn auf der anderen Seite ist kein geschlossener Raum, sondern ein überdachter Wartebereich mit Sitzbänken neben den Gleisen.

Wartebereich Bahnhof Lubuk Linggau
hier ist der innere, quasi heilige, nur für VIPs zugelassene Bereich (für uns, halt) der Stasiun Lubuk Linggau

Zeit die Belegschaft kennenzulernen:

  1. Der Polizeichef: Herr über die Station und das Tor, Inhaber div. Hoheitsrechte, Halter des Eintrittstempels, befugt von jedem seine Daseinsberechtigung abzufragen (sprich Passport bzw. hier KTP). Wer drinnen ist, bestimmt er! Anfang 40, ein bisschen gönnerhaft, der Schimmerlos der Stasiun Linggau. Ich will nicht zu viel lästern, immerhin hat er uns herein gelassen.
  2. restliche Polizisten (zwei, vielleicht auch noch ein dritter): Ein kleiner, älterer (ca. 45), der selten ohne Helm die Amtsstube verlässt (nur wenn er inoffiziell unterwegs zu sein scheint) und ein großer, jüngerer (ca. 25), bulliger, ohne Hals, die Uniform ist ein bisschen schlampig mit hängendem Zwickel getragen. Ist ein bisschen furchteinflößend, zumindest die Putzkräfte kuschen ganz gut vor ihm.
  3. Die KAI-Crew, bestehend aus
    – den höherrangigen Lokomotivführern (meist jünger, ca. 20 ,aus Sumsel stammend)
    – den mittelrangigen Wagoneuren (älter 53, in orangefarbener Regenkombi, auch aus Sumsel, sehr nett und erklärt uns viel)
    – den niedrigrangigen Zugbegeleitern (noch jünger 15-20; die Buben, oft in zu engen Uniform-Batikhemden. die Mädels alle mit Hijab)
  4. Mitarbeiter, die hier so rumhängen als
    – Dienstmann (unser “Al”, wirklich sehr lieb, aber mit Fragen, wie “Was kostet ein Telefonat nach Deutschland” ein bisschen nervig)
    – Raumpfleger (ohne Raum und ohne Worte, da sie laufend damit beschäftigt waren, Pfützen trocken zu wischen – Sisiphos läßt grüßen)
    Anfangs waren alle sehr interessiert, wer, wir so sind, was wir so machen, wieviele Kinder und das übliche Arsenal an Fragen. Dann die entscheidende Frage, ob wir nicht ein Selfie mit ihnen machen wollen. Können wir da Nein sagen, wo wir uns jetzt schon alle so gut kennen?
    Also Selfie: Erst seriös mit ernstem Blick, dann locker mit Daumen nach oben

“Lubuk Linggau berjalan!”
(Lubuk Linggau macht’s!)

Danach wird es etwas ruhiger. Die Polizeicrew verschwindet in der Polizeistube und wir tratschen nur noch mit unserem Wagoneur weiter. Allerdings müssen wir berichten, dass aus der Polizeistube auffälliges Geklapper zu hören war (und ja, sie spielen Mahjong!). Gerne hätten wir berichtet, dass wir mitgespielt haben und gern hätten wir ihnen ein paar Kröten abgeluchst, aber da waren wir dann doch zu schüchtern.

Realität in Deutschland und in Linggau (Kutasipuszta)

Statt dessen kommen wir auf ein anderes Thema, Narkoba! Komisch, da waren wieder alle wach, weil sie hören wollten, dass wir in Deutschland alles legal kaufen und konsumieren könnten. Tja, Jungs, da müssen wir Euch enttäuschen. Auch bei uns sind Drogen verboten. Traurigkeit macht sich breit. Das man sich bei uns legal ins Koma saufen kann, konnten wir nicht mehr anbringen. Wir fragen uns, wie die Menschen hier zu so einem Weltbild über den Westen/ Europa gelangen. Ist das Wunschdenken oder erzählt ihnen das irgendwer?

Gut eine Stunde vor Abfahrt, erscheinen noch die Ticket-Verkäuferinnen. Ich will an den Schalter, aber unter uns Freunden der KAI ist das jetzt nicht mehr notwendig. Ich werde in die KAI-Amtsstube gebeten, also da, wo die großen Hebel, Uhren und Weichenstelldinger sind: Ich denke oft an Piroschka:

“Ist sich meglich, dass Herr Student gebän Signal an pinktlich Zug?”

MIch zerreisst es innerlich, aber ich habe dank Gamelan gelernt, nach außen ruhig und javanisch cool zu bleiben (das erkläre ich mal in einem eigenen Beitrag nächsten Monat).
Ich erhalte mein Ticket über den kleine Dienstweg und wir sind erleichtert, dass wir nicht in Linggau eine weitere Nacht bleiben müssen.

Um 20:01 (eine Minute zu spät – was hätte der Stationsvorsteher (Gustav Knut) von Kutasipuszta gesagt?) fahren wir mit dem Executif (1.Klasse) nach Palembang. Eine schaukelige Nachtfahrt, in der wir überraschenderweise sogar schlafen konnten und um 5 Uhr früh pünktlich mit einer Stunde Verspätung ankamen. Kein Tag zu früh, denn Tags drauf, verunglückte dieser Zug mit einem PKW in Muara Enim.

Zugunfall in Sumsel
was mit dem Zug passierte, konnten wir diesem Artikel nicht entnehmen. Bedauerlich, ein Opfer war zu beklagen.

Palembang – lässt uns hängen

In Palembang fahren wir, kurz nach Sonnenaufgang, mit einem Stadtbus zum Hotel Sandjaja. Im Bus laute Dangdut Musik (man muss sich anschreien). Doch noch lauter ist der Busbegleiter.

Busbegleiter ist ein Job, den es nur noch in Asien gibt. Der Busbegleiter ist Anreisser, Fahrgastbetreuer, Abkassierer, Schaffner, Sicherheitsbeauftragter und Signalgeber. Signale für Anhalten, Weiterfahren, Stehenbleiben. Der Busfahrer fährt den Bus. Sonst nichts. Der Busbegleiter ist ein Irrwisch, der durch, um und auch gelegentlich weit außerhalb des Busses herumtanzt. In der Regel befinden sich Busfahrer und Busbegleiter wie Antipoden, weit auseinander im Bus. Bei uns war der Busfahrer vorne rechts (keine Panik – Linksverkehr und alles im grünen Bereich) während der Busbegleiter meist hinten links aus der Tür raushing. Die Verständigung lief über ein Plastikfeuerzeug, das gegen die Fensterscheibe, neben der wir saßen, geklopft wurde

“Tak, tak, tak, tak, tak, tak, tak, tak, tak, tak, tak, tak, tak, tak, tak, tak, … “

Direkt auf Hammer, Amboss und Steigbügel bis ins Mark – nach einer Nachtfahrt im Zug … Solange bis ein Fahrgast ein oder ausgestiegen war. Falls keine Scheibe zur Verfügung stand, hämmerte er gegen die Karosserie. So fuhren wir durch Palembang, über den Fluss Musi , über die berühmte Ampera-Brücke, ohne es wirklich genießen zu können (Lärm frisst Seele auf!).

Die Ankunft im Hotel war ein Segen. Mitten im Business- und Banken-Areal. Waren zu übernächtigt und froh, ohne Aufpreis ein Zimmer beziehen zu dürfen (toll indonesisch, ohne Fenster, aber trotzdem toll – dass wir das einmal sagen werden, womöglich färbt das Hiersein doch mehr ab, als wir denken).

Wir stellen fest, dass wir es mal wieder ein bisschen überzogen habe. Unsere Batterien sind alle, die gelegentlich überfreundliche Art mancher Indonesier und das nervige Selfiegefrage gehen uns an. Genießen die Tage im Hotel mit Pool, bis sie uns dort auch nerven. Die Highlights in Palembang, einmal Pempek (Mehlklösschen verschiendenartige) und Ampera-Brücke (nah, fern, tags, nachts) haben wir erkundet; der Rest naja. Wir freuen uns, dass es wieder weiter geht.

Swimmingpool
wir sind immer wieder überrascht, was für neue Schwimmstile in Indonesien gepflegt werden

Änderung der Reisepläne

Nachdem wir gelesen haben, dass die indonesische Botschaft in Kuala Lumpur keine 60-Tage-Visas mehr ausstellt, wollen wir es in Penang beim Konsulat probieren (dort soll es noch funktionieren). Egal wie, wir werden eine Pause einlegen.

6 Comments

  1. Sabar, sabar *** ist ⚀ wichtigste gefühlsregung eurer Reise. Auf feldforschungen einschlägiger Ethnologen scheint sabar diese einzige durchhaltetaktik zu sein. Bis vor kurzem hatten wir noch vor, euch auf euren Spuren zu folgen. Aber unser Mut schwindet mehr und mehr dahin. Trotz unserer Kenntnisse der Mentalität der ids-insulaner haben wir zu wenig ssaabbaarr-reste in unseren Adern. So bleibt uns nur noch eure reisebeschreibungen und erlebnisse auf der Couch im warmen Wohnzimmer nachzufühlen, mlt dem innigen wunsch, noch viele, viele zu erleben. Bleibt weiter so tapfer und lasst uns auf die nächste Story nicht zu .lange warten.
    Nene Dan kake

    marie- Luise rosen
  2. Ja, Sabar ist das richtige Stichwort. Aber es ist auch wichtig zu wissen, wo man hin fährt. Es hier wie in Deutschland. Es gibt halt Ecken, wo man gerne hinfährt, wo es landschaftlich schön ist, kulturell was geboten wird und weniger attraktive Gegenden. Aber lasst Euch nicht von dem abschrecken, was wir schreiben und photographieren. Jeder sieht die Dinge anders. Die letzte Etappe war stark durch Südsumatra geprägt. Die nächste wird hauptsächlich Mitteljava sein. Da ist der Blickwinkel schon ganz anders und die Kultur, die Menschen, die Musik etc. sind uns viel vertrauter. Da freuen wir uns schon drauf.
    Bibi dan Om

  3. Liebe Evi lieber Peter, eure Schilderungen machen sehr neugierig trotz eiswuerfeldesaster. Seid ihr noch in Penang?? Euren Instrumenten geht’s gut,-. Katharina wohnt gerade bei uns und bewacht sie. … (wir waren so frei privates nicht zu veröffentlichen… Anmerkung P&E) Liebe Gruesse von Norbert und Vera

    Vera graf-krischke
  4. Liebe Vera und Norbert,
    es ist gut zu wissen, dass man gute Freunde hat, auf die man sich verlassen kann. Ja, wir sind noch in Penang.
    Denken hier oft an Norbert. Heute gab es (u.a.) beim Inder an der Ecke Hühnerhalsgullasch (keine Ahnung, wie das im Original heißt). Die darf man nur mit der rechten Hand essen (üblicherweise überall in Asien). Eine richtig schöne Bazelei. Aber sooo lecker. Scharf und würzig. Dazu ein Roti Canai.

    Fliegen am 3. weiter nach Yogya.
    Dann endlich Gamelan! Haben schon Entzugserscheinungen.

    Vermissen Euch und unsere gemeinsamen Gamelanabende.
    Liebe Grüße (auch an Katharina unsere Gamelanwächterin)
    Peter & Evi

  5. Wir sind euch auf den Fersen… 😉 Momentan Bangkok mit Tendenz in den Norden nach Burma, aber dann wieder über Laos und Vietnam runter nach Indonesien. Mal schauen, wann uns der Weihnachtsdrang überfällt.
    Ja, Indonesien ist schon besonders. Es scheint, als ob jeder Teil eine eigene Welt für sich ist, das haben wir auch immer wieder festgestellt. Aber auch nicht verwunderlich, bei der Ausdehnung.

    Passt gut auf euch auf, liebe Grüße,
    Thomas und Erika

  6. Hi Erika und Thomas,
    hoffentlich seid ihr dann wieder fit von Eurer Ayurveda-to(rt)ur. Eure Route hört sich gut an (vor allem, da sie nicht in Stein gemeisselt ist). Obwohl wir eine ähnliche Route im Dez./ Jan. 2014/15 hatten, geben wir lieber keine Empfehlung, da sich in diesen Ländern alles extrem schnell ändert. Was gestern gut war, ist heute nicht mehr auszuhalten oder sogar nicht mehr vorhanden.
    Was Du zu Indonesien schreibst ist sogar innerhalb Indonesiens wahr. Sumatra selbst ist schon unterschiedlich. Wir waren 2010 in Nordsumatra in Medan und am Danau Toba. Tolles Erlebnis inkl. deutscher Guesthousemutti mit Weihnachtsliedern. Unvergesslich.

    Okay, wir folgen Eurem Blog und sind gespannt. Hati-hati (“take care” auf indonesisch).
    Peter und Evi

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