Gado-Gado Jakarta (Teil 2)

Jakarta – Hauptstadt der Gegensätze

Unser Gado-Gado Jakarta zweiter Teil. Den ersten noch nicht gelesen? Hier geht’s zum ersten Teil.

Gebäude

City

In Jakarta stehen die Blechhütten gleich neben den High-rises. Nein, nicht auf 100m Höhe beschränkt, wie in anderen Provinzdörfern. Hoch – heißt hier: Hoch! So beeindrucken, dass man im Vorbeifahren eine Genickstarre bekommt (ja, wir Kinder vom Dorf sind halt leicht zu beeindrucken).

Hochhaus Jl. Suridman
entlang der große Straßen -> Hochhäuser -> high rise -> skyscraper

 

 

Die Begrifflichkeiten fassen in Jakarta nicht exakt. Es gibt kein eindeutiges Zentrum. Keine ausgeprochene “City” als zentralen Ort. Es gibt vielmehr verschiedene Zentren. Alle durch große Straßen miteinander verbunden und von Hochhausreihen eingerahmt, direkt daneben Minihäuser. Entlang der Kanäle, die Jakarta durchziehen, Blechhütten der einfachsten Art. Es gibt eigentlich nur extrem hoch und dann nur niedrig (außer der deutschen Botschaft, die für unserer Verhältnisse ein Hochhaus ist, aber mit ihren ca. 10 Stockwerken hier ein kümmerliches Dasein fristet – rein architektonisch gesehen – politisch mag das gaanz anders sein).

Stadtteile

In den verschiedenen Stadtteilen existiert moderne Architektur neben alten holländischen Gebäuden. Nicht wirklich historische holländische Gebäude; sie wurden Mitte des 20. Jahrhundert gebaut und spiegeln den Baustil wider, der Rücksicht auf das tropische Klima nimmt: Überdachte Veranda, hohe Räume, Lüftungsschlitze, Fensterläden zum Ausstellen, oft ist das Verhältnis Grundstücksgröße zu bebauter Fläche noch großzügig zugunsten des Gartens bemessen. Wir können uns daran nicht satt sehen.

Arsitek lama vs minimalis
das rechte Gebäude ist übrigens keine altes verlassenes Haus, sondern ein Flachdachgebäude mit aufgesetztem durchbrochenem Satteldach, das von tropischen Pflanzen durchwachsen ist

AirBnB, unsere derzeitige Unterkunft-Plattform, die einem das Wohnen im privaten Umfeld erlaubt, ist möglich in “Condos” (vertikale Dörfer oder Kampung, wie man hier sagt) oder in alten Stadtvierteln. Klar, dass wir uns für letzteres entschieden haben.

Neu ist gut, alt ist Mist. Na ja, wenn man sich mit Leuten unterhält, die in den alten Gebäuden wohnen, bekommt man zu hören, dass das Neue nicht immer das Beste sei. Machen wir uns nichts vor, bei uns ist das auch so:

“Ja, ja Frau Nachbarin, mir leb’n ja auch in so einem g’schichtsträchtigen Haus, vom XY gebaut, mir tausch’n des ned gega so was neimodisches mit IP-gesteuertem Gefrierschrank”

Als würde jemals eine Tauschmöglichkeit bestehen.

Man sieht viele heruntergekommen, zerfallende, aber auch gut erhaltene Gebäude, oft direkt neben sehr modernen. “Minimalis” ist das Stichwort, das einen in den Suchmaschinen indonesischer Immobilienportale weiterbringt.

Im Norden Jakartas, Kota Lama, finden sich ein paar hergerichtete Gebäude und es wird lobenswerterweise weiter renoviert. Man nennt es heute schon neuindonesisch “little Amsterdam”.

little Amsterdam
an den Grachten von little Amsterdam?

Bedauerlicherweise existiert bis heute kein Geruchsimpressator, der einen Eindruck von dieser Baustelle geben kann. Wir hätten gerne eine Duftwolke in die Wohnzimmer/ Büros, oder wo immer dieser Blog gelesen wird, geschickt. Trotzdem kann man sich jetzt schon vorstellen, das es hier schön wird (wirklich!).

Der Verkehr

Oh ja! Wir Vertreter der pedeskulturellen Revolution sind von Jakarta begeistert (ernsthaft! Keine Ironie). Sie findet gerade statt. Heimlich und subversiv. Man muss nur hinsehen!

Kebayoran Baru
Straße in Kebayoran Baru, d e m grünen Ortsteil Jakartas

In Kebayoran Baru kann man in grüner Umgebung auf Trottoirs spazieren gehen (ok, ein bisschen bucklig). Alter Baumbestand rahmt die Straßen ein, hi und da ein Kaki Lima (mobile Freßbude), für eine kurze Pause. Ideal!

Aber häufig, regelmäßig häufig, steht in der Rushhour der Individualverkehr direkt neben einem still.

traffic jam
eine einfache T-Kreuzung in Kebayoran Baru, Jakarta, am Abend – Stau – auf indonesisch Macet (ach ja – Links-Verkehr – aber spielt das hier noch eine Rolle?)

Die vermeintlich quirligen Mopeds schlängeln sich zwar hier und da noch zwischen den Autos durch (Zentimeter-Arbeit), aber irgendwann ist damit auch Schluss.

Traffic-Jam Jakarta
Jl. Prapanca, Kebayoran Baru, Jakarta – ca 18:00 – hübsche Lichtspiele an den Hochstraßen (von blau zu rot über grün zu rosa und gelb)

Jeder Tag hat seinen Infarkt, mindestens einen …

Es ist ein bisschen wie in einem Manifest:

“Der Arbeiter muss erst still stehen, bevor er erkennt, dass der Individualverkehr eine Geißel der Menschheit ist. Baut Brücken! Individualverkehr zu Massentransport.
Die Revolution ist nahe!”

carfreeday
carfreeday – wollen wir es nicht übertreiben… um 10:00 Uhr ist Schluss! Dafür jeden Sonntag. Das ist mehr als in großen europäischen Städten

Jakarta  ist auf dem besten Wege dahin. Nahezu alle großen Hauptstraßen sind Baustellen. Entweder für die geplante U-Bahn (MRT) oder Hochstraßen (perjalanan layan). Diverse Apps (hört sich jetzt so an, als würden wir uns damit auskennen) schlagen die Verbindung zwischen dem Transjakarta Bussystem, den Nahverkehrs-Komuter-Zügen und für die letzte Meile die Gojeks, Jakartas carsharing Variante (man kann sich ein Motorradtaxi bestellen, um damit schnell nach Hause zu kommen; sorry, das haben wir uns erspart, zu viel Angst bei dem Chaos auf der Straße).

Das Essen?

Um das Essen einer Stadt zu beurteilen, muss man wohl dauerhaft hier leben. Und das ändert sich bedauerlicherweise auch noch mit der Zeit, heute noch Hipsterladen, morgen öde und verlassen.

Beispiel Blok M

Ursprünglich  d e r  Basar für den Süden Jakartas, heute stehen hier verschieden Malls mit hochtrabenden Namen: Blok M Square (hip), Plaza Melawai (out),  Mall Blok M (im Untergrund – SIM Telfonkarten Schuhe etc.), Pasar Raya (schick – airconditioned). Morgen ist es sicher ganz anders. Im Blok M haben wir zwei tolle Suppen gegessen (Soto Bogor) und im Melawai Plaza gab es Siomai (1. Stock, gleich bei der Rolltreppe). Beides traditionelle Läden, laut unserem Gastgeber (der allerdings ein bisschen jünger als wir ist und was heißt heute schon traditionell …).

unter dem Busterminal befinden sich unzählige Verkaufsstände, die Klamotten, SIM-Karten, Schuhe und sonstigen Kram verkaufen. Außen herum sind die mobilen Essensstände
unter dem Busterminal befinden sich unzählige Verkaufsstände, die Klamotten, SIM-Karten, Schuhe und sonstigen Kram verkaufen. Außen herum sind die mobilen Essensstände

In Kebayoran finden sich schicke Restaurants. Wir waren jedoch in keinem. Spitzen Japaner (sagt man…); allerdings sind wir nach Indonesien gekommen, um indonesisch zu essen.

Unser Favorit

Der Baksomann gegenüber der Polizeihochschule!

unser Gewinner! Der Baksomann gegenüber der Polizeischule in der Jl Tirtayasa. Hier bei der Korrektur des Steines am vorderen Standbein des Grobak (Schiebedingens). Alle zusammen, Grobak & Baksomann werden kaki lima (fünf Beine) genannt; Das Standbein des eine Grobak vorne + die zwei Räder + die zwei Füße des schiebenden Mannes = fünf Beine
unser Gewinner! Der Baksomann gegenüber der Polizeischule in der Jl Tirtayasa. Hier bei der Korrektur des Steines am vorderen Standbein des Grobak (Schiebedingens). Alle zusammen, Grobak & Baksomann werden kaki lima (fünf Beine) genannt.

Der Baksomann ist ein Vertreter der alten Fastfoodkultur Indonesiens. Wo immer der kleine Hunger (nein, nicht der aus dem deutschen Werbefernsehen) sich breit macht, ist er vertreten. Er schiebt seinen Grobak (seine mobile Küche) an eine Straßenecke, packt seine 5 Plastikstühle aus und schon gibt es Bakso-Suppe. Details dazu ein andermal.

Auch nicht schlecht und ein echter Dauerbrenner, der Martabak Meister gleich beim Institut Francaise in der Jl Wijaya. Sein Grobak ist deutlich größer. Das Equipment, wesentlich umfangreicher, die Auswahl manchmal auch. Immer für take-away, Murtabak isst man zuhause.

Martabakmeister
Martabak – Der “Pizzabäcker” im gesamten Okzident (Vergleich hinkt gewaltig)

Aber wie wir Jakarta kennen, sind die morgen schon wieder an einem anderen Platz.

Erstaunlich. Kein traditioneller Nass-Markt mehr im Blok M (schon ein ganze Weile so). Mein Gott, was sind wir rückständig, so etwas haben zu wollen.

Die Segnungen der heutigen modernen Zeit heißen Carrefour, Metro, Giant, Hero etc. und der freie Handel ist  die Lösung aller Versorgungsproblem. Schöne neue Welt, Jakarta!
Zum Glück jedoch gibt sie noch, die Grobak, aber nur wenige, das Gado-Gado Jakartas verkaufen.