Bangkok in Krisenzeiten

2022-03-25T15.29.34

Reboot in Bangkok

Sieben Wochen Thailand! Ja, sieben Wochen Thailand! Und es schleicht sich von Tag zu Tag der Schlendrian ein. Tagebucheinträge werden unkonkreter, Berichte nur halb fertig verfasst und die Veröffentlichung steht still.

Ohjeh – Krisenzeiten!

Wir sind mittlerweile in Bangkok gelandet, einer komplett anderen Welt als Phuket. Und es dauerte eine Woche sich neu zu orientieren und einzuleben.

Nein, dies soll keine Entschuldigung sein, Nichts berichtete zu haben. Es ist vielmehr ein rebooten und der Versuch wieder mehr Disziplin aufzubringen auch wenn einen die Hitze gelegentlich ausknockt wie ein Muay Thai Kämpfer.

Unser Hotel, vielmehr der Blick aus unserem Hotel ist so atemraubend und es parallisiert einen, als würde man hypnotisiert vom Ausblick sich nicht mehr regen können.

Panorama auf den Chao Phraya Fluß
Kann man da seinen Blick abwenden?

Wir sitzen hier in den frühen Morgenstunden, oft schon vor Sonnenaufgang und versuchen uns satt zu sehen an Stadt, Fluß und den Tieren, die hier völlig unerwartet vorhanden sind.

Ich wußte nicht, was für eine Faszination vorbeifahrende Schiffe auf mich ausüben und Evi ist von der Vogelwelt mitten in der Stadt geplättet.

Es gibt keinen schöneren Platz, um am Morgen eine süße Papaya zu naschen, mit einer frischen Limone beträufelt und einer heißen Tasse Kaffee.

Papaya und Bananen zum Frühstück

Dann rätselt man woher, der nächste Lastenkahn kommt und wohin er fährt, was er geladen hat und wie wohl das Leben auf so einem Lastenkahn abläuft.

Heute habe ich zwei Stunden am Pier des Marine Department gesessen und war überrascht, dass der Speicher meiner Kamera plötzlich voll war (dazu folgt sicher noch ein Beitrag).

Der Versuch einen entspannten Nachmittag im Hotel zu verbringen, machten ein paar Lion-Dancer zunichte, die überraschend ein Höllenspektakel mit Trommeln und Tschinellen im Viertel veranstalteten.

Krieg und Reisen

Sehr lähmend trifft mich hier die Situation in Europa. Und die große Frage:

Reisen zu Kriegszeiten, geht das?

Selbstverständlich kriegen wir mit was in Europa passuert. Die Welt ist und beibt (trotz oder gerade wegen der Pandemie) ein globales Dorf.

Es gibt eine sehr informative deutschprachige Website (der Farang), die hervorragend, ja fast besser als die deutschen Medien, über die Situation in Deutschland/ Europa/ Ukraine berichtet.

So haben wir den Ausbruch des Ukraine Krieges, die sanktionären Reaktionen der westlichen Regierungen, der USA und Deutschlands mitbekommen und auch die Folgen hier miterlebt.

Für uns sichtbar: Seit dem 8. März finden sich kaum noch russische Touristen in Phuket. Wir erkennen sie nur an der Sprache und da auch nur vermeintlich, da die slawische Sprachgruppe ja doch ein paar weitere Nationen umfasst. So gesehen, mutmassen wir, dass jemad russisch ist, der sich russisch anhört und mit dem Hintergrundwissen, dass sich bei unserer Ankunft der prozentuale Größte Anteil Touristen auf Phuket Russen sind (Q. The Phuket News).

Hier in Bangkok haben wir bisher keinen mehr gesehen (gehört). Mittlerweile empfinden wir Franzosen und Amerikaner/Engländer als dominant. Deutsche haben wir bisher nur ein Handvoll gehört (trotz widersprechender Statistik, dass die Deutschen die zweitgrößte Touristengruppe auf Phuket sei).

Die Sanktionen greifen demnach ganz gut und bedauerlicherweise leidet der thailändische Toursimus auch darunter.

Es ist ein Thema, dass hier kontrovers diskutiert wird: Es gibt Aussagen, dass die Ukraine und Europa weit weg ist und Russen gern gesehene Gäste sind, eine Sanktion Russlands damit unnötig ist, wobei im anschließenden Satz erwähnt wird, dass Ukrainische Touristen natürlich auch gern gesehen sind.

In den Medien wird berichtet, dass etliche russische Touristen „gestrandet“ sind und Hilfsunterkünfte für sie eingerichtet wurden.

Mittlerweile sieht man auch Bilder im TV vom eigentlichen Kriegsgeschehen, mit Verletzten, Toten, Bombeneinschlägen und verwüsteten Stadtlandschaften.

Wie also mit der Situation umgehen, wenn man in Bangkok auf seinem Balkon sitzt, alles weit weg ist?

Ich bin froh, Alles aus der Distanz betrachten zu können. Einige pro-russischen Äußerungen mancher Politiker in Südostasien sind sehr ärgerlich, jedoch eigentlich nicht wirklich überraschend. Vielen geht es nur um das eigene Wohl und man muss zustimmen, das die pandemischen Isolationsmaßnahmen sichtbare Schäden hinterlassen haben und der damit verbundene ausbleibende Tourismus in direktem Zusammenhang steht. Dass ausgerechnet jetzt der wieder aufkeimende Tourismus durch die Sanktionen wieder zunichte gemacht wird führt leider zu einer prorussischen Haltung, in der Hoffnung, dass der russische Tourismus wieder zu mehr Wohlstand führt. Dir ursächliche Agression seitens Putin wird da leicht unter den Teppich gekehrt. Aber was soll ich hier Steine schmeißen, sitzen wir doch auch in einem Glashaus, da wir mit unsere Energiepolitik einen guten Teil des Krieges unterstützen?

Als Tourist fühle ich mich als Gast. Und ein guter Gast sollte ja höflich sein und nicht unbedingt anecken. Also bin ich auch nicht auf eine der Friedensdemonstrationen in Thailand gegangen, noch dazu, wo einem ein möglicher Rauswurf aus dem Land oder zumindest eine saftige Strafe droht. Friedensdemonstrationen haben auch hier stattgefunden und sind (verständlicherweise) hauptsächlich von Ukrainischen Bürgern besucht worden, leider nur wenige bis keine Thailänder. Das Thema ist augenscheinlich doch zu weit weg. Vergleicht man es mit der Deutschenquote auf einer myanmarischen Unabhängigkeitsdemo in München dürfte das Ergebnis ähnlich aussehen.

Glücklicherweise darf ich mich auch im Ausland weiterhin über Deutsche Politiker ärgern.

Der Vorschlag die Wiesn wegen des Ukrainekrieges ausfallen zu lassen, war ein echter Schenkelklopfer. Müsste die Wiesn dann nicht komplett abgeschafft werden, in Anbetracht weltweiter kriegerischer Auseinandersetzungen. Und das Argument, der Ausfall der Wiesn begründet sich in der europäischen Lage ist so abstrus, dass ich es zunächst gar nicht verstanden habe. Wieso ist ein Krieg in Europa schlimmer als in Asien, Afrika, Amerika?

Wie wär’s mit kreativen, proaktiven, der Ukraine zu gute kommenden Lösung?

Ein Euro mehr für die Maß Bier als Ukrainehilfe!

Also: Was tun, wenn man in Thailand unterwegs ist und der Krieg „zuhause“ seine Spuren hinterläßt?

Auch hier komme ich zu dem Schluß, weiter reisen! Nicht Absagen. Genießen und leben. Solange es möglich ist, bevor einer kommt und es dir wegnimmt.

So gesehen ist die Veranstaltung, deren Schluß ich eben noch erleben konnte, für mich ein positiver Hinweis auf die Zukunft:

Chinesische Gemeinde im Kulturzentrum bei unserem Hotel
Mission „We“

Eine lebendige Gemeinde sein. Global und lokal. Die verschiedenen Ethnien nebeneineander zu akzeptieren, respektieren, tolerant und gleichberechtigt. In einem friedlichen Miteinander.

Mögen die Trommeln und Tschinellen die bösen Geister vertreiben!