2007 kaufte man Zugfahrkarten in Yogya so…

Natürlich können Sie sich vom Reiseagenten Ihres Hotels Zugfahrkarten bestellen und liefern lassen und dann mit dem Taxi zum Bahnhof kutschieren, um von da aus Ihre klimatisierte Reise anzutreten, aber so können Sie immer noch reisen, wenn Sie nicht mehr mobil genug für unsere Reiseempfehlungen sind.
Also gehen Sie zum Karten kaufen 1-2 Tage vor Ihrer geplanten Abreise lieber zu Fuß und veranstalten so eine kleinen kulturellen Ausflug. Sie werden das klimatisierte Taxi zurück zum Hotel dann noch mehr genießen.
Nördlich der Jalan Malioboro, deren Besuch man ohne weiteres auslassen kann, es sei den man möchte unbedingt ein Souvenir für eine ungeliebte Tante erstehen und durch den Ort des Einkaufens sein Missbilligen über den letzten runden Geburtstag von Onkel Edgar zum Ausdruck bringen, wo besagte Tante ihr Leben schon nach dem offensichtlich bald zu erwartenden Ableben ihres Gatten ausbreitete.
Nachdem man also die Jl. Malioboro unbeschadet (awas copet) hinter sich gelassen hat, stößt man unmittelbar an die die Gleise begleitende Straße. Am Kopfende der Malioboro befinden sich hier einige Warungs, die anscheinend von den Touristenströmen partizipieren, denn das Essen ist hier nicht besonders bis scheußlich (Mie Baso mit Chemie-Aroma). Trotzdem sollte man sich hier mit ausreichend Zeit bei dem großen Bale (von Säulen umstandene, ca 5×5 Meter große Plattform mit Dach) niederlassen, ein Teh Botol oder eine Cola (Sie merken schon: verschlossene Getränke) bestellen. Wenn man dann etwas Glück hat, spielt in der Bale ein komplettes Gamelan-Orchester, manchmal mit Gesang, alle Protagonisten in prächtigen Gewändern. Kein Touristenschmu, sondern die Übungsstunden mitteljavanischer, professioneller Musiker; ein Klangerlebnis der besonderen Art. Der Klangteppich von Gongs und Trommeln wird umrauscht von Straßenlärm, fliegenden Händlern, hektischen Touristen und jede Menge dicker, geruchsintensiver Luft.
Falls Sie aber doch zum Bahnhof müssen, gehen Sie die Straße in Richtung Westen weiter. Das dauert ein Weilchen, wobei es Ihnen überlassen bleibt, wielange Sie für die etwa 300m benötigen. Der Weg ist gepflastert mit kleinen Warungs und Tokos und je weiter Sie sich von den Touristenströmen entfernen, umso eher ist eine Zwischenrast für einen kleinen Imbiss oder auch nur einen Eistee (Es Teh) zu empfehlen; trauen Sie Ihrer Nase oder anderen einheimischen Gästen.
Der Zugang zum Bahnhof ist nicht durch eine Prachtstraße, ein großes Tor oder ähnliches zu erkennen, sondern nur eine Lücke zwischen zwei Warungs, etwa 4 Meter breit auf der rechten (nördlichen) Seite. Sie gehen über einen kurzen Weg in ein unspektakuläres Flachdachgebäude und befinden sich direkt im Schalterraum.
Genauer gesagt im Schalterraum der Tugu Station, wo man Fahrkarten für Züge der Business- und Exekutivklasse (2. und 1. Klasse-Komfort) kaufen kann. Der Bahnhof für die Züge der Economy (Holzklasse, ist absolut wörtlich zu nehmen) ist an anderer Stelle lokalisiert und unter Lempuyangan Station zu finden.
Jetzt können Sie auf den großen Übersichtstafeln Ihren gewünschten Zug herausfinden. Um sich mit dem Schalterbeamten besser verständigen zu können, sollten Sie sich zusätzlich zu den Abfahrtszeiten auch den Namen (z.B. Bima) und die Nummer des Zuges aufschreiben. Um die Anzeigetafeln schneller zu erfassen, können Sie sich mit dem Prinzip auf der Internetseite der Stadt Yogya vertraut machen. Hier sind die Fahrpläne im Internet einsehbar, leider gibt es keine Garantie, ob der Zug wirklich zu diesen Zeiten fährt: http://www.seat61.com.
Wenn Sie also Ihren Wunschzug gefunden haben, ziehen Sie eine Nummer und warten Sie auf Ihren Aufruf, es geht ziemlich schnell und dann stürzen Sie sich in ein Kommunikationsexperiment mit den Behörden. Keine Angst, bis jetzt habe ich immer genau das Ticket bekommen, das mir vorschwebte. Wahrscheinlich hauptsächlich, weil die Fahrkartenverkäufer sehr viel Erfahrung mit mehr oder weniger hilflosen Weißnasen haben.
Die Tarife variieren abhängig von Klasse, Zug, und Rabattmöglichkeiten (Kinder, Rentner u.a.), wenn Sie sich fit genug fühlen, fragen Sie danach; andernfalls wird Sie selbst der teuerste Zug nicht Ihr letztes Hemd kosten. Nach dem Bezahlen erhalten Sie per Computerausdruck Ihre Tickets, jetzt steht einer entspannten, komfortablen Zugreise in den nächsten Tage nichts mehr im Wege.

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Das Taxi ins Hotel haben Sie sich redlich verdient.