Bogor Regenstadt

Bogor

liegt im Süden Jakartas und ist berühmt für seinen Botanischen Garten “Kebun Raya Bogor”. Dank seiner Lage am Hang des Gunung Salak ist Bogor eine Regenstadt.

Hier ein kleiner Eindruck von der Geräuschkulisse, die wir jeden Tag auf unsere kleinen Terrasse, gleich neben dem Carport genießen konnten.

Wir entschieden uns für eine Unterkunft bei einer indonesischen Familie. Es hieß Küchenmitbenutzung und nur 20 Minuten zu Fuß vom Kebun Raya entfernt.

Nach dem Regen …

Und täglich kommen die Händler, die einem auf ihren Karren (Grobak) irgendetwas verkaufen wollen. Man muss das Haus nie mehr verlassen.

Die Anreise von Jakarta ist denkbar einfach: Mehrmals die Stunde fährt ein Komuter (KRT) von Jakarta nach Bogor. Wir sind an der Stasiun Cawang zugestiegen (nächstgelegen zu unserer Unterkunft in Jakarta).

7-up

7-up (=Getränk der 60er, 70er Jahre – sowas wie Sprite, zu deutsch Zitronenlimo, war eigentlich was besonderes, kein Alltagsgetränk)
Was für ein Zufall, wir kommen am “Seven Up” vorbei, einem Monument, das in den 60er Jahren errichtet worden ist. Der eigentliche Name “Patung Dirgantara” steht im Kontext mit der indonesischen Luftwaffe, deren Zentrale sich damals gleich daneben befand. Die Bedeutung war aber nur wenigen Menschen bekannt und so bürgerte sich eine neuer Name ein, der viel naheliegender erschien: “Seven up”. Das Monument ist eine topologische Marke, um sich in Jakarta zu orientieren. Als Schmähung gegen die Suharto-Regierung, legte man der Figur in den späten 60er-/ 70er- Jahren die Wort “So hoch steht die Sch…” in den Mund.

Alte Aufnahmen (https://id.wikipedia.org/wiki/Patung_Dirgantara) zeigen dieses Monument freistehend auf einem Kreisel, umrahmt von kleinen Gebäuden und grünen Bäumen. Ich bin mir nicht sicher, ob man dieses Monument heute noch zu Fuß erreichen kann, denn es geht mittlerweile im Dickicht der Straßen beinahe unter.

7up
seven up

KRL

(= Komuter Rel listrik -> elektrische Pendler Eisenbahn).
Schon wieder eine Errungenschaft des öffentlichen Nahverkehrs.

KRL
KRL nach Bogor fährt ein

Das E-Ticket kann man an jeder Station an einem Schalter besorgen. Kurz wundern, wieso es wesentlich teurer ist, als angegeben, nochmal nachfragen und die Antwort erhalten, dass die E-Ticket-Plastikkarte ein Pfand erfordert, dass man jedoch sofort wieder an der Endhaltestelle zurücktauschen kann. Ich denke, es kommt noch mal ein Artikel zu Thema “Was wir in Indonesien nicht kapieren”.

Blick aus dem Fenster des KRL nach Bogor
Blick aus dem Fenster des KRL nach Bogor

Alles funktioniert wie am Schnürchen: E-Ticket an Drehkreuz halten, grünes Licht leuchtet, durchdrehen, Bahnsteig betreten, 5 Minuten warten, KRL nach Bogor kommt, Tür auf, einsteigen, Tür zu und los geht’s. Durchsagen vor jeder Haltestelle mit Benennung der Haltestelle in indonesisch und englisch. Sind beeindruckt.

Die Fahrt geht durch dichtes Siedlungsgebiet. Der Siedlungsbrei reist nur einmal für vielleicht 100 m ab, bedingt durch einen Autobahnneubau.

Bogor galt früher als Rückzugsgebiet für überhitzte, gestresste wohlhabende Jakartabewohner (zunächst Holländer, dann Indonesier). Die Anreise dauerte lang, da die Infrastruktur noch fehlte. Heute dauert die Anreise (insb. am Wochenende) noch länger, da der Individualverkehr die zwar mittlerweile verbesserte, weiterentwickelte Straßeninfrastruktur bei weitem überholt hat. Alle, mit denen wir gesprochen haben, warnten uns eindringlich davor, mit dem Auto am Wochenende nach Bogor zu fahren. Wir sind ja nicht beratungsresistent …

Bahnhof Bogor

Endstation des KRL ist Bogor. Am Bahnhof angekommen, sieht es noch verhältnismäßig ruhig aus, bis man den Bahnhof verlässt. Das Bahnhofsgebäude selbst ist neu und nicht wirklich bemerkenswert. Draußen brodelt der Verkehr: Autos und unzähligen Angkots (kleine öffentliche Busse) verstopfen die Straße. Nur über eine Fußgängerbrücke gelangt man auf die andere Straßenseite.

Bogor KRL Bahnhof
Ankunft in Bogor

Unser Vorsatz: Erstmal eine Suppe essen, Zeit lassen und dann unsere Unterkunft aufsuchen. Wir gehen also zu Fuß ein paar hundert Meter weiter und biegen in einen Kampung (Dorf in der Stadt) ab. Hoffentlich stolpern wir irgendwo über einen Warung (Fressstand) oder einen Kaki Lima (mobiler Fressstand). In OpenStreetMap sind auch die Fußwege durch die Kampungs kartiert und wir folgen einer Abkürzung in Richtung unserer Unterkunft. Abkürzungen sind eine Spezialität in unserer Familie (insbesondere väterlicherseits).

Mopedparkplatz
immerhin … diese Mopeds sind dem Individualgetümmel entzogen

Hier im Kampung sind die Wege sehr eng, Hauswand zu Hauswand vielleicht ein Meter. Trotzdem kommen uns Mopeds entgegen (sie sind ja genauso schmal wie ein Mensch). Wir zwei orang bule (weiß-häutigen Menschen), fallen hier auf wie bunte Hunde. Weiße Haut, rote Köpfe, schwere Rucksäcke, orientierungslos. “Hello Mister” ist die Standardbegrüßung. Die weniger Mutigen lächeln uns nur scheu an.
Wir fragen nach unserem Ziel:

“Dimana rakit?”
“Oh? Mau ke rakit, Mister?” “Lurus, belok ke kiri, turun ke bawa.”
“Terima kasih, Pak! Terima kasih ‘Bu!”

Leider gibt’s noch keine Untertitel fürs Internet: Oder einen Button für automatische Übersetzen:

“Wo geht’s hier zu Fähre?”
“Oh? Sie wollen zur Fähre, Mister” “Gerade aus, links abbiegen und dem Weg nach unten folgen.”
“Vielen Dank, mein Herr! Vielen Danke, die Dame!”

Es geht mal links, mal rechts, immer bergab, auf schmalen Treppen (keine DIN-Norm-Treppen!). Wir ahnen Schlimmes. Verschenkte Höhenmeter sind, wie gesagt, verschenkt und bei der Mittagshitze doppelt verschenkt. Um uns hüpfen Kinder und begleiten uns bis zur Fähre.

Abk.
ganz simpel zu findende Abkürzung

Das Ding wird tatsächlich “rakit” (Fähre) genannt. Hört sich ja irgendwie nach Rakete an, ist aber tatsächlich die offizielle Übersetzung für Fähre. Auf 8 Autogummischläuchen ist eine kleine Fahrkabine gezimmert. Ich bin als erster eingestiegen und brachte das Ding gewaltig zum Schaukeln. Was würde der TÜV  sagen … (puh, so kann nur ein Deutscher denken). Wir wackeln locker hinüber und sparen uns eine halbe Stunde Fußmarsch. In der prallen Hitze, ist es das allemal wert (na, es hat ja auch nur 1000 Rp = 7 cent pro Nase gekostet).

Fähre
zuvor noch eine Zitterpartie über eine schmale Bambusbrücke, aber dann kann die Rakit starten

Auf der anderen Seite schwitzen wir beim Anstieg gewaltig. Der Warung, den wir erreichen ist (heute?) geschlossen.

Bei unseren Gastgebern angekommen, ist eine Dusche fällig und wir nehmen eine kurze Auszeit, bevor wir uns begrüßen (toll, so was geht nur in Indonesien, ohne unhöflich zu sein).

Botanischer Garten Bogor – Kebun Raya Bogor

Am nächsten Morgen setzen uns unsere Gastgeber kurz vorm Botanischen Garten ab. Die letzten Meter kämpfen wir uns durch/über einen Angkot-Bahnhof.

Der Botanische Garten ist eine Oase der Ruhe und eine Erholung für das Auge. Dies gilt werktags, für die frühen Morgenstunden, die wir für unseren Besuch gewählt haben. Die Eintrittspreise liegen aktuell bei 25.000 Rp für uns und 14.000 Rp für Indonesier. Wir werden gefragt, ob wir in Indonesien leben. Na klar (für ein halbes Jahr)! Aber die Folgefrage nach einer dauerhaften Aufenthaltsbescheinigung müssen wir verneinen. Also zahlen wir 25.000. Alles Bestens! Vergleicht man das Durchschnittseinkommen, sind 14.000 für Einheimische eigentlich relativ teuer.

Außer fleißigen Gärtnern, die die Anlage in Schuss halten, keine Menschenseele zu sehen. Wir haben den Park für uns allein.
Es gibt mehrere Themenpfade, aber wir entschließen uns mit der Hängebrücken über den “Ciliwung” zu beginnen.

Hängebrücke
da ist man im botanischen Garten und macht Bilder von Bauwerken …

Riesige Tropenbäume, Wassergärten mit diversen Seerosen, es gibt hier sogar die größten Blüten der Welt (Rafflesia & Amorphophallus), nur blühen sie gerade nicht. Aber die Blüten die wir sehen, sind auch nicht ohne.

Blume Jambu
Jambublüte (Achtung kein Jambubaum, der essbare Früchte trägt)

Gongfabrik

Auf der Hinfahrt zum Botanischen Garten machte uns unser Gastgeber auf eine Gongfabrik aufmerksam. Genau! Deswegen sind wir hier. Na ja fast. Denn es handelt sich um eine Gongfabrik für  sundanesisches Gamelan (Gamelan Degung). Ich habe keine große Ahnung davon. Es sei nur soviel dazu erwähnt, dass auch diese Gongs handwerklich gefertigt werden, es eine elende schweißtreibende Arbeit ist. Wir zerflossen darin nur vom Zusehen.

Gongfabrik-Bogor
Blick in die Hölle …

Falls es jemanden interessieren sollte: Der Preis für ein komplettes Set ist uns bekannt und kann bei uns erfragt werden. Da wir planen nach Bandung zu fahren, der zweite Hochburg der Gamelan Degung Produktion, besteht noch die Chance anzufragen, ob wir so ein Gamelanset nach Deutschland schicken.

Ein Set besteht aus:

  • 1 Saron I 14 Klangplatten
  • 1 Saron II 14 Klangplatten
  • 1 Bonang 14 Töpfen
  • 1 Jingklong 6 größere Töpfe
  • 1 Gong kecil (kleinem Gong)
  • 1 Gong besar (80cm Durchmesser großer Gong)
  • 1 Set Kendang (dürften drei Doppelfelltrommeln sein)
  • 1 Set Seruling (keine Ahnung wieviele Spaltflöten, aber definitiv Spaltflöten), die sind in der Regel neben der Sängerin das dominant hervorhörbare Instrument im Gamelan Degung

Die Klangplatten & Töpfe, sowie die Gongs sind aus perunggu (Bronze gemacht). Das Ganze ist äußerst dekorativ im Wohnzimmer und macht als Ergänzung zum traditionellen bayrischen Hoagascht unglaublich viel Spaß. Ist aber auch nicht ohne und bedarf genauso viel Übung.

Bevor wir jedoch das Vergnügen haben werden Gamelan Degung live zu hören (und wer weiß, ob wir es überhaupt haben werden), mussten wir mit einer anderen Combo vorlieb nehmen:

Straßenmusik
(laut und eher Dangdut style – darüber ein ander mal)

 

Wir verlassen Bogor mit einem Bus; Bisnisklas – keine Ahnung warum das Ding business class heißt. Im Flugzeug bedeutet es eigentlich Komfort, hier dass man nicht zu dritt nebeneinander sitzen muss. Vorbei am Wahrzeichen Bogors, einem Tiger.

Bogorwappen
der Tiger von Bogor

Unser nächstes Ziel: Pelabuhan Ratu, an der Südküste West-Javas.

3 Comments

  1. Se lamat! Eure Berichte sind herrlich!
    Bitte nicht nachlassen. Wir wollen mehr sehen.
    Besonders die toneinlagen sind spitze!

    Man muss nur die Augen schließen und schon ist man in indonesien!
    Haltet durch mit den Nachrichten. Ihr habt nur noch 5 Monate!
    Liebe grüsse mitzi!

    marie- Luis rosen
  2. Hallo Mitzi,

    Danke für das Lob.

    Aber das Meiste, was wir hören, ist dann schon vorbei. Wir haben Unmengen an Aufnahmen, mit Rauschen und nicht vorhandenen Straßenverkäufern, aber ab und zu findet sich dann eine Perle.

    Momentan wohnen wir in einem Haus, das wir Haus der Geräusche genannt haben. Seid schon mal gespannt, wie der Bericht wird.

    Liebe Grüße
    Peter und Evi

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