Bandung – Heimat der Seelenschiffe

Stadt der Blumen

Bandungs frühe Bezeichnung als “Paris von Java” oder heutiger Beiname “Stadt der Blumen” sind ziemlicher Quatsch, denn mit Grünpflanzen, Bäumen oder gar Blumen ist Bandung wahrlich nicht gesegnet. Möglicherweise ist es einfach eine falsche Übersetzung von “Kota Kembang” und meint eher die sich entwickelnde Stadt als frommen Wunsch für eine relativ große, gesichtslose Ansammlung von Stadtvierteln.

Auf den ersten Blick gibt Bandung nicht allzuviel her, aber eine Reise nach Java und besonders nach Bandung ist immer auch eine Reise zu Mythen und Sagen. Vielleicht würde man als Europäer nichts Geheimnisumwittertes in der viertgrößten Stadt Indonesiens mit ca. 3 Millionen Einwohnern vermuten, aber der vordergründige Eindruck täuscht.

Stadt der Blumen
Stadt der Blumen

Der Tanguman Perauh

Ein weit sichtbarer Hinweis für das Gegenteil ist der Tanguman Perauh, ein Gebirge, nur 20 km von der Stadt entfernt. Der Name heißt übersetzt “gekentertes Boot”, die Silhouette erinnert an einen gen Himmel ragenden Schiffsrumpf. Natürlich ist dieser Vulkan in erster Linie eine touristische Sehenswürdigkeit mit Dschungel, Kratersee und heißen Quellen. Neben seinen herkömmlichen Eigenschaften, wie einen imposanten Hintergrund abzugeben und immer mal wieder unerwartet auszubrechen, hat er eine bedeutende mythische Dimension.

Die Erzählung zur Entstehung des Tanguman Perauh beginnt, als eine mehr oder weniger klassische Ödipusgeschichte, mit Vatermord und Mutterbegehren, was so alles dazugehört. Allerdings ist die Mutter, namens Dayang Sumbi, ein bißchen schlauer als unsere griechische Iokaste. Dayang Sumbi erkennt den Sohn vor der Eheschließung als ihren Sohn und kann den drohenden Inzest abwenden, indem sie dem uneinsichtigen “Held” Sang Kuriang eine Aufgabe stellt, die er eigentlich nie hätte erfüllen können. Dummerweise hat er aber magische Kräfte und scheint die Aufgabe doch lösen zu können. Gott sei Dank hat aber Dayang Sumbi wieder die Nase vorne und trickst den Sohnemann gehörig aus. Aus Ärger für den Fehlschlag wirft Sang Kuriang ein Boot um, und tata: der Tanguman Perauh ist entstanden.

Hier ist der Tanguman Perauh nicht zu sehen, spielt aber für einen mythischen Berg keine Rolle.
Hier ist der Tanguman Perauh nicht zu sehen, spielt aber für einen mythischen Berg keine Rolle.

Die Kecapi

Das Schiff hat in Bandung, einer Stadt, die nicht am Meer liegt, vielfältige kulturelle Bedeutung. Boote sind in verschiedenen Erscheinungsformen vorhanden. Eine besonders ungewöhnliche ist  ein Musikinstrument, die Zither, in Westjava Kacapi oder Kecapi genannt.
Die Kecapi kann durch ihre Klänge den Zuhörer an einen anderen Ort und/oder in eine andere Zeit versetzen.

Es gibt viele, manche abenteuerliche, Deutungen der kosmogonischen Bedeutung der Kecapi, ihr sind ganze Bücher gewidmet, für hier aber nicht relevant. Das verbindende Element zum Tanguman Perauh, die Symbolik des Seelenschiffes, ist der Transport in eine andere Dimension.

Das Haus der Geräusche

Denn ich möchte hier den Bogen spannen zum Seelenschiff im Hier und Jetzt.
Wie man seit Platon weiß, ist die Seele durch die unterschiedliche Ausrichtung ihrer Teile uneinheitlich. Würde man diese Seelen sprechen lassen, dann würde es sich ungefähr so anhören, wie wir es in unserer Unterkunft jeden Tag erlebt haben, denn merke: Seelen sind nicht leise, nicht melodisch und absolut rücksichtslos.

Kakophonie um 3 Uhr 30 in der Nacht:

Tagsüber “Feidifeidi” :

oder “Wakau²”:

Siomay-Mann kreuzt Bakso-Mann:

Jede Nacht zwischen ein und zwei Uhr:

 

Das Angkot

Passend zu diesen Seelen kann jetzt auch das Transportmittel gefunden werden und das kann in Bandung nur das Angkot sein. Bluebird-Taxis, Uber oder die Billigvariante Go-Car sind in den entscheidenden Momenten nie verfügbar oder verirren sich unauffindbar. Die Angkots bringen einen zwar nicht ins paradiesische Reich Pajajaran, wie das die Kecapi vollbringen soll, aber sie bringen einen von A nach F, denn den Weg kennen sie genau. Nach B kann man ja in ein anderes Angkot oder zwei umsteigen.

Seelenschiff im Hier und Jetzt
Seelenschiff im Hier und Jetzt

Da die Preise, abhängig vom Fahrer, stark variieren, immer vorher den Preis erfragen, damit man später keine Überraschungen erlebt. Selbst der flache Bergrücken des Tanguman Perau lässt sich, zugegeben mit etwas Phantasie, an diesen Minibussen noch erahnen…

Fazit

Warum wir in Bandung waren? Wegen unserer Visaverlängerung, laaaange Geschichte, allerdings ziemlich fad und Bandung lieferte kein Aushängeschild für den vorhandenen “Proses”. Also warum sich in administrativen Niederungen bewegen, wenn die Stadt doch so viel Spannenderes zu bieten hatte?

Begrüßungskomitee bei unserem ersten Tag im Kantor Imigrasi
Begrüßungskomitee bei unserem ersten Tag im Kantor Imigrasi

One Comment

  1. Wieder mal ein super berichtet!
    Wenn ihr eure papiere beim kantor imigrasi klasse I beantragt habt so muss es ja so einen Empfang gegeben haben .
    Diese musikalisch Begleitung ist spitze!
    Gute zeit bis zum nächsten mal!
    Mitzi!

    marie- Luis rosen

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