Auf nach Sumatra Selatan – Südsumatra

Auf nach Sumatra Selatan

Auf deutsch: Südsumatra. Alles was im Süden ist, kann doch nur gut sein. Nur komisch, dass man von unserem jetzigen Standpunkt aus nach Norden fahren muss, um in den Süden zu kommen…

Merak, das Örtchen

Unser Startpunkt ist Merak, eine betriebsame Kleinststadt, die durch die Anlage des Fährhafens seine ursprüngliche Schönheit, sagen wir es deutlich, verloren hat. Dank Autobahnanschluss an Jakarta, wuchsen die Industrieanlagen wie eine Algenpest bis hierher und umrahmen diesen schönen Ort mit ihren Schornsteinen, Fabrikhallen, Landungsbrücken und auf Reede-liegenden Frachtschiffen.

Merak
Blick vom Strand Meraks

Hinter unserem traditionellen, indonesischen Hotel verläuft die Bahnlinie und in Sicht- und Hörweite die Jalan Tol (mautpflichtiger Zubringer zum Fährhafen), die regelmäßig vollschwappt  mit Trucks, Bussen und Pkws, immer wenn ein Pulk von einer Fähre  ausspuckt wurde. Dann wird es gelegentlich etwas unruhig auf der Rückseite, im letzten Zimmer, dass man uns zugeteilt hat, nachdem wir nachts um 21:00 Uhr angekommen sind. Zur Begrüßung lief gleich eine fette Kakerlake durchs Zimmer und unser Boy reagierte sofort und versuchte sie mit dem Zimmerschlüsselanhänger zu zerquetschen. Zum Glück war sie schneller. Ich hätte nie gedacht, dass ich sowas mal sagen werde…

Ein Highlight des Tages:

 

Ansonsten war die Geräuschkulisse morgens ganz passabel:

 

Der Pool hinter dem Hotel war herrlich und malerisch von Moschee und Palme eingefasst (die Betonung liegt auf malerisch).

Swimmingpool
nicht vergessen: fünf mal täglich – Luftlinie 30 m zum Bett. 1. Tagesration: 3:30 Uhr morgens

 

Auf der gegenüberliegenden Seite eine verlassene (so das westliche Auge) Hotelanlage, mit einem Blick auf die Phototapete Pulau Merak kecil. Unsere Zahnärztin in München hat so eine ähnliche Tapete im Behandlungszimmer. Wenn man im Behandlungsstuhl sitzt, im Mund der Absaugschlauch und das Zahnstein-Entsteinungs-Folterdingens, dann träumt von einem Ausflug dorthin, in der Annahme, das es dort paradiesisch ist. Und dann sieht man genau diesen Blick, aber auch das Panorama links und rechts davon, riecht das Brackwasser, dass zwischen den Palmen und den auseinanderfallenden Bales (kleine Häuschen zum im Schatten sitzen), in denen alte Unterhosen und alte Plastikbecher herumliegen und wünscht sich zurück auf den Behandlungsstuhl. Ach woher, so schlimm ist es nicht, aber dieser Satz war irgendwie einladend. Es ist immer noch schön, aber der Müll und die Industriehafenregion sind halt nicht zu verleugnen.

kleine Merak Insel
Pulau Merak kecil – ist das nicht ein Traum?

 

Strand in Merak
Blick von der netten, vermeintlich verlassenen Hotelanlage

Bemerkenswert war ein Warung, der hervorragende Bebek bakar verkaufte (gegrillte Ente). Die BBQ Sauce, mit der die Ententeile mariniert waren, waren outstanding/ extraordinary. Trotzdem blieben wir nur zwei Nächte.

Fährhafen Merak

Uns war bewusst, dass die Fahrt von Merak nach Bandar Lampung, im Vergleich zu der Tour Bandung-Merak, ein Kinderspiel sein würde, So lief der heutige Reisetag gemütlich entspannt ab. Keine minutiöse Planung, keine Vorgabe, wann wir ein bestimmtes Verkehrsmittel benutzen wollten, keine Hektik.

Vorm Hotel mit einem Angkot bis zum Fährhafen gegondelt. Hier zum Loket geschlendert, an den aktuellen Erweiterungsarbeiten beinahe ertaubt und dank der Hilfe eines vermeintlich englischsprachigen Kommunikationsmanagers ohne Probleme zwei E-Tikets erstanden (13.000 RP/N => ca. 90 cent). Auf die (engl.) Frage, ob man evtl. eine Fähre auslassen kann (um Photos zu machen), bekamen wir die Antwort, dass man auf der anderen Seite, in Bakauheni, genauso einfach ein Tiket kaufen kann, mit dem man zurückkommt. Prima!

Der Fährhafen ist eine beeindruckende, riesige Anlage (aber wie sollen wir Landratten aus München sowas beurteilen können). Allerdings relativiert sich diese Aussage gewaltig, wenn man bedenkt, dass die Versorgung Sumatras durch dieses Nadelöhr läuft. Umso erstaunlicher ist, das nichts los ist. Ein paar LKWs, fünf Autos, 50 Menschen … das war’s.

Uns ist es recht. Kaum Wolken, eine schöne angenehm warme Brise (ach die Beschreibung spar ich mir, ist ja alles dem Wetterinformationssystem auf der Anzeigentafel zu entnehmen).

Wetterinfo
realtime Wetterinformation

 

Über die Landungsbrücken geht’s durch ein Drehkreuz, das nur freigeschaltet wird, wenn man ein E-Tiket besitzt. 20 Meter dahinter, wird einem von einem freundlichen Mitarbeiter der ASDP (hiesige staatliche Fähr-Gesellschaft) selbiges gleich wieder abgenommen, da es ja für nachfolgende Passagiere wiederbenötigt wird (außerdem ist die Gefahr viel zu groß, dass einem das Ding über Bord fallen und zur Eintrittskarte wird in die gefährlichen Tiefen des Reichs Nyai Loro Kiduls – weh, weh! wenn ich auf das Ende seh).

An Bord ruhige Betriebsamkeit, Leinenwerfen, LKW-Jonglage, Bugklappen schließen, u.s.w., u.s.w.

Suchen uns ein Eck mit Blick über den Klappbug voraus. Wichtig! Im Schatten, denn heute ist ein herrlicher Tag.

unsere Royal Nusantara - ein stolzes Schiff ->"Indonesia cintaku"
unsere Royal Nusantara – ein stolzes Schiff ->”Indonesia cintaku”

Überfahrt nach Sumatra

Wir stechen in See. Leichte Dünung. Das Schiff ist angenehm leise, vermutlich nur langsame Fahrt voraus. Genießen den Blick auf Pulau Merak und die Hafenanlagen, vor Reede liegende Schiffe. Entdecken “unsere” alte Fähre, die immer noch so gut aussieht, wie vor 30 Jahren, als wie 1987 von Banyuwangi nach Bali übersetzten.

unsere alte Fähre nach Bali - es gibt sie noch
unsere alte Fähre nach Bali – es gibt sie noch

“Hallo! Du rostiger alter Kübel! Gut schaust aus!”

Möchte man ihr zurufen, aber das würde nur die Aufmerksamkeit der netten indonesischen Passagiere auf uns ziehen (wozu die Scheu? sind eh schon Mittelpunkt, da die einzigen orang bule).

Apropos: Das Bordunterhaltungsprogramm beginnt. Jede gute Fähre besitzt so etwas. Heute steht auf dem Programm Dangdut. Morgen vermutlich auch, sowie übermorgen und danach ebenso. Zum Glück, denn den Passagieren gefällt’s. Uns auch, wenn wir vorne am Bug nur noch Zimmerlautstärke genießen können. Aber das Thema Lautstärke sollten wir mal in einem eigenen Beitrag näher unter die Lupe nehmen (Sabar – Geduld).

board entertainment
asiiiiiik!

 

Die Überfahrt ist herrlich. Das Meer tiefblau und nur gelegentlich sammelt sich der Zivilsationsmüll zu kleinen schwimmenden Inseln. Leider auch hier gilt, das Meer ist nicht unendlich groß.

pollution
oh – langes Thema; auch unseres, ihr wisst schon: “one world”

Trotzdem bestechen einen die wunderbaren Bilder, von mangrovengesäumten, Palmen bestückten, grünen Inseln mit Sandstränden und Fischerbooten.

mangroven insel
noch eine Phototapete – aber, es ist wirklich so

Der Fährhafen in Bakauheni holt uns wieder in die Realität zurück. Merkwürdig, auch hier ist nichts los.

leerer Fährhafen mit dem Wahrzeichen Lampungs: einer Moschee in Form des traditionellen Kopfschmucks der Frauen, Sumatra Selatan
leerer Fährhafen mit dem Wahrzeichen Lampungs: einer Moschee in Form des traditionellen Kopfschmucks der Frauen

 

Naja, das übliche Spiel: Verlassen des Fährhafens, betreten des Busterminals, Heuschreckenschärme von unterbeschäftigten Taxi-, Angkot-, Motorrad-, Bus-, vermutlich auch Becak- und Radlfahrern fallen über uns her. Wir entscheiden uns für eine komfortable 2=2 Bus mit Platz für Knie und Po.

Sumatra Highway

Yeah! Das hört sich irgendwie nach Camel-Trophy oder Road 66 oder Reschenpass an. Nun. Ich denke mal, dass nicht viele von unseren Lesern den Rosenbuschweg in Großhadern, München kennen, aber ungefähr so ähnlich, ein paar geflickte Stellen, kein Gehweg. Aber im Gegensatz zu Großhadern viele LKWs, die echt lahm daherkriechen und von unserem Busfahrer überholt werden müssen. Hier wird eh viel überholt. Jeder Jeden! Hupen, ausscheren, zurück ins Glied, Gegenverkehr… Hupen, ausscheren, Gas geben, bremsen, SCH… zurück … Huuuuuupenn! Raus – VOLLGAS! Einatmen. Gegenverkehr erscheint hinter der nächsten Kurve, kommt näher und näher. Muss der Kerl da neben uns ausgerechnet jetzt auch beschleunigen? Vorbeiziehen und knapp vorm Gegenverkehr wieder nach links (! – aaaah Linskverkehr) einscheren. Manchmal bedeutet das auch: zu dritt (LKW/BUS/LKW) oder zu viert (LKW/BUS/LKW/Motorradfahrer neben der Straße) aneinander vorbei zu kommen. Erstaunlich, schaffen es tatsächlich mal einzunicken (10 Minuten).

Bandar Lampung – Rajabasa BusTerminal

Erreichen mittags den Busterminal, als ein heftiges Gewitter losbricht. Pause mit Bakso-Suppe. Oh – Nein. Wir haben beide einen Ausschlag von der Brühe. Rote (fast lila) Gesichter. Mit einem Angkot (schaut so aus, als würde dies unser bevorzugtes Transportmittel in Indonesien werden) fahren wir die 10 Kilometer vom Busterminal in die Stadt zu unserem Hotel (Marcopolo Lampung). Ein eigenes Kapitel. Am Abend haben wir festgestellt, dass die Suppe wohl doch in Ordnung war und unsere ungesunde rote Gesichtsfarbe der (indirekten!) Sonneneinstrahlung zugeschrieben werden musste, denn das Rot blieb drei Tage, bevor es sich abschälte…

Hotel Marcopolo Lampung

Hotels, die ihr Logo auf Zuckertütchen, Papphausschuhe und Kosmetiktuchboxen drucken, haben ihren eigenen Reiz. Oft haben sie auch ihr Logo auf ihrem Geschirr, Handtüchern und in Ihren Swimmingpools. Toll! Da kommen irgendwie Kindheitserinnerungen hoch. Das erste Mal Fahrstuhl fahren oder eine Rolltreppe benutzen. Leider sind diese Hotels eben genau in dieser Kindheit gebaut worden und jetzt genauso ein alter Schinken wie ich.

“A little bit rundown”

ist der passende Begriff (Oh Gott, was mag der geneigte Leser jetzt für ein Bild von mir haben). ABER: Der Service ist immer noch prima, man wird immer noch hervorragend behandelt, es finden offizielle Veranstaltungen statt und es gibt Zimmerservice. Nicht dass wir dies exzessiv nutzen würden, aber es ist möglich und spiegelt einem so ein elitäres Dasein vor. Fehlt nur noch, dass man hier den Zimmerservice ärgert, indem man ihn hin und her schickt:

“Oh, nein, kein Ketchup auf den Pommes – können sie mir Mayo servieren?” und dann
“Oh, ich habe vergessen Cola dazu zu bestellen. Wärs möglich?” und dann
“Oh, nein, kein Eis in der Cola …” etc.

Soviel Fiktion… Der Roomservice war perfekt und das Essen (Nasi Rames und Kwetiau Goreng) hervorragend!

Das besondere am Marcopolo Lampung ist das Schwimmbecken mit olympischen Ausmaßen.

Pool
Gigantisch! Olympisch! Marcopolo!

Tiefe 1,60 (Schwimmer) und 0,90m (Nichtschwimmer). Dazu eine Wasserrutsche, Kinderplantschbecken, noch ein Kinderplantschbecken und ein grünes Becken (Kelimutu-Feeling). Das Schimmbecken wird von Hotelgästen und öffentlich genutzt. Während der Morgendämmerung werden die Reste des Vortags herausgesaugt, während sich die chinesisch-indonesische Gemeinde zur Frühertüchtigung bereit macht (nein nicht zu früh reinspringen!). Um spätestens 7:00 Uhr, die Sonne ist bereits aufgegangen, beginnt sich die Szenerie zu füllen. Erste Mütter mit Kindern, Frauengruppen, Kleinfamilien treffen ein. 7:30, die erste Klasse erscheint. Uniformiert in Schlafanzugschwimmklamotte (Burkini-like). Spätestens um 8:00 Uhr brummt der Laden (hauptsächlich im Nichtschwimmerbereich). Ab 9:00 ist die Rutsche überfüllt.

Poolside Lessons
Schwimmunterricht vom Beckenrand

Mittags leert sich das Bad, um gegen Nachmittag die zweite Schicht über sich ergehen zu lassen. Ab 16:30 gehen die meisten wieder nach Hause. Um 17:00 Uhr wird geschlossen und der Pool pi mal Daumen gechlort (wie die Reisbauern, die Ihre Felder düngen), damit sich über Nacht eine grüne Ausfällung am Beckenboden sammeln kann, die am nächsten Morgen wieder ausgesaugt werden kann. Ja, so ist der immerwährende Kreislauf des “kolam bernang”; Marcopolo Lampung ein Spiegel der Welt hier im Süden Sumatras.

Wir genießen es sechs Nächte und brechen danach weiter gen Norden auf (bleiben aber im Süden!, s.o.).

Karte

Dank an das tolle Karten-Plugin WP-OSM-Plugin.

Legende:

  • Bus / class ekonomi 2=3/ class business 2=2 (grün)
  • zu Fuß / stehend/ sitzend/ gehend/ (hellgrau)
  • Schiff/ Boot/ schwimmend (weiß –– falls man es nicht lesen kann, “weiß”)
  • Angkot (drecksgelb)
  • Zug (rötlich)
  • Taxi / Treppel / per Anhalter (schwarz)

Ein <klick> auf Windrosen & Linien öffnet kleine Fenster mit Zusatzinfos.