Chinese New Year oder „Der Hahn ist tot – Es lebe der Hund“

Morgen beginnt laut chinesischem Kalender ein neues Jahr (Chinese New Year aka CNY). Ein Frühlingsfest … Hund löst Hahn ab.

Christrosen, Kroküsse und Schneeglöckchen sind auch bei uns die ersten; zeigen, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis auch bei uns der Frühling ausbricht. Schau ich aus dem Fenster, graut der Himmel und die langsam fallenden Schneeflocken verklumpen langsam zu nassen, schweren Regentropfen. Melancholie macht sich breit.

In solchen Momenten lohnt es sich immer Gamelan zu hören und ein wenig in Erinnerungen zu schwelgen.

Flashback (Auschnitt aus dem Entstehungsmythos des Krautgamelan)

Letztes Jahr befanden wir uns zu Chinese New Year in Solo (Surakarta, Indonesien). Das Gute an Solo ist, dass die Bewohner ein ziemlich unkompliziertes Verhältnis zu Fremden haben. Man hat nie das Gefühl, dass die Events hier touristisch motiviert ins Leben gerufen wurden, da eigentlich kaum Touristen zu sehen sind (also keine weißen). Die Soloer feiern die Feste, wie sie fallen.
Eines davon ist Imlek. Die indonesische Variante des chinesischen Neujahr. Die chinesische Gemeinde (=Indonesier mit irgendwie chinesischem Migrationshintergrund) richten eine Umzug aus, den wir, na klar, nicht verpassen wollten.

Zuvor trafen wir uns noch zu einer Gamelanübung mit unseren Freunden Ibu Yus und Pak Gus, zwei unheimlich lieben Menschen, die regelmäßig im Novotel in der Lobby Gamelan spielen. Sie singen im Duett, spielen Trommel und Xylophon. Herrlich! Das Beste: Wir konnten uns dazu setzen und mitspielen; Noten hatten sie extra für uns mitgebracht. So saßen wir zu viert im Foyer des Hotels, spielten verschiedene Gamelanstücke und ließen uns von indonesischen Touristen, die an uns vorbei ins Restaurant zu Frühstück schlenderten, bewundern.
Zu Imlek wird in Indonesien alles chinesisch dekoriert. Wir haben die Gelegenheit genutzt und ließen uns unter einen Bogen künstlicher Blüten photographieren.

Frühlingsblumen im Novotel Solo. Unsere Familie in Solo: Ibu Yus und Pak Gus

Anschließend spazierten wir zum Pasar Gede (der große Basar im Zentrum), um den Umzug zu betrachten und ein bisschen Schweinefleisch zu essen (ja, auch das ist hier möglich – denn hier gibt es ein chinesisches Restaurant – ist zwar haram, aber als Nicht-Moslem darf man das hier).

Die Soloer waren richtig in Feierlaune: Gamelankapellen (ja so was gibt es auch), Blaskapellen, Percussion-Gruppen, verkleidete Gruppen und sogenannte Gunungan, Opfergaben, die zu „Bergen“ aufgetürmt werden. Klar, dass die Farbe rot vorherrschte. Ein großer Hahn führte den Karnevalsumzug an.

chinesicher Tempel in Solo, Indonesien
auf dem Platz vor dem Pasar Gede mit Blick auf den Chinesischen Tempel – es geht zu!

Und ausnahmsweise pünktlich …  begann es zu regnen, Korrektur, schüttete es. Aber das stört niemanden in Solo, es wird einfach trotzdem gefeiert. Plastiktüte d’rüber und weiter. Die Zuschauer flüchten unter die Traufe der Geschäfte. Alles ist nass und dampft, trotzdem bleiben alle und der Umzug zieht am Pasar vorbei.

„waktu hujan sore, sore“ – indonesisches Volkslied mit dem Titel „Zur Regenzeit am Nachmittag“ – pünktlich

Nachts konnten wir das angekündigte Feuerwerk direkt aus unserem Hotelzimmer sehen. In diesem Sinne

恭喜發財 – gōngxǐ fācái – selamat tahun baru imlek – happy chinese new year – frohes neues Chinajahr

Feuerwerk
Imlek 2017 – Feuerwerk – kebun api

Was hat das mit Krautgamelan zu tun?
Die Trommel, die Kendhang … auf dieser Trommel spielte Pak Gus im Novotel an Imlek. Nachdem es in Deutschland verboten ist, außer am gregorianischen Neujahrsanfang Kracher und Raketen zu zünden, werden wir ab jetzt das Chinesische Neujahr mit der Trommel begrüßen.

Sollten sie in Solo im IBIS oder Novotel nächtigen, fragen sie an der Rezeption im Novotel nach Pak Agus.

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