Alleinstellungsmerkmal Thailand

Warum fährt man nach Thailand? Wegen der anmutigen Frauen – dann könnte man auch nach Bali fahren. Wegen der angenehmen Temperaturen – da täte es auch die DomRep. Oder doch zwengs der Kultur – da empfehle sich der preiswertere Bibliotheksausweis. Also was ist tatsächlich nicht woanders zu kriegen: Die Suppen!

Leider habe ich keine konkreten Rezepte, sondern nur Eigenbeschreibungen, aber vielleicht lassen sich im Laufe der Reise noch einige Kochbücher erwerben, die über die genaueren Ingredienzen Aufschluss geben.

Wobei das Geheimnis der 20- und 30-Baht Suppe vermutlich nie restlich geklärt sein wird. Der einzig sichtbare Unterschied war die Verwendung von Kokosmilch bei der 30er Suppe und die Nichtverwendung von sauer eingelegtem Kohl (abwehrendes Kopschütteln der Köchin/Suppenverkäuferin). Bestimmende Suppeneinlage bei beiden Gerichten waren Reisnudeln und Würfel aus gestocktem Schweineblut. Gewürzt war die Suppe unter anderem mit Pilzen, Zucker, Fischsauce, Petersilie und Limone. Der Ort, wo diese Suppen zu finden waren, war der Innenhof eines Tempels in Chiang Mai.

suppe_20 suppe_30

Chiang Mai wieder besuchen nach 10 Jahren entpuppte sich tatsächlich als Zeitreise, das moderat touristisch infizierte Städtchen war zu einem brausenden Kommerzkarussell mutiert. So zumindest der Eindruck, wenn man die uniformierten Frauen – alle in blauer Pluderhose mit weißem Elefantenaufdruck und die Männer im Hipsterlook auf jedem Nachtmarkt in Scharen betrachten konnte. Sich selbst sieht man ja eher freundlicher. Den Kram, den man an jeder Ecke kaufen kann, ist überall gleich – Motive, Stoffe, Preise, man hat das Gefühl ein einziger Großhändler hat die Belieferung Chiang Mais übernommen. Die Frage, die auftaucht ist, welchen Beitrag leistet man selbst oder hat vor 10 Jahren dazu beigetragen, dass diese Stadt so ist wie sie heute ist?

Natürlich gibt es vergleichsweise mehr westliches Fastfood, aber solange lokales Essen in der Fülle und Diversität angeboten wird, stört mich das wenig.

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Über Salate könnte man einen eigenen Beitrag schreiben, nicht nur Papayasalat, sondern auch Pomelo- oder Ochsenmaulsalat.

Bis ich diesen Tempel mit seinem kleinen Bürgerfest oder möglicherweise auch religiösem Fest entdeckte, war ich ein bißchen vom Trubel in Thailand genervt, v.a. da die vorherige Station Ao Nang war, aber auch das ein eigenes Kapitel. Aber man soll auf Reisen seine positive Grundhaltung bewahren oder gefälligst seine Einstellung zu den Störfaktoren ändern. Die Freundlichkeit und unbedingte Offenheit der Thais könnte keinen größeren Beitrag dazu leisten. Man tritt vom bellenden Straßenlärm durch das Tempeltor in eine Oase der Ruhe und Geborgenheit. Man kann im schattigen Geviert spazieren gehen, die Gebäude und Gongs bewundern, alle Essensstände abschnuppern und sich dann mit seiner Beute auf einer der Holzgarnituren wie in einem Biergarten niederlassen. Danke Chiang Mai.

Wenn man sich dann wieder gefangen hat, kann man selbst in großen Touristenansammlungen thailändische Spezialitäten genießen, wie auf den sogenannten Nachtmärkten, die bereits am frühen Nachmittag begannen.

Besonders zu erwähnen ist die Fischmagensuppe. Hauptsuppeneinlage waren hier ausgebratene, in Scheiben geschnittene Fischmägen, die nach etwas Brüheliegezeit die Haptik alter Semmelstücke entfalteten. Ich mag sowas; Kindheitserinnerung! Zusätzlich schwamm ein Blutwürfel in der Brühe, dazu ein appetitliches Wachtelei.

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Natürlich gibt es unzählige tolle Suppen und jeder Thailand-Reisende hat vermutlich mehr als eine versucht, wobei ich gerne Suppen probiere, die ich noch nie gegessen habe, deshalb spare ich mir in meiner Lobeshymne Tom Yam und auch Kao Soi, die kennt vermutlich eh jeder.

Nicht jede Suppe ist ein Volltreffer, merkwürdig war eine Suppe nach Sukothai-Style. Sie unterscheidet sich vor allem in einer Zutat: Zucker. Eine Brühe mit etwa 250 ml Flüssigkeit enthält zweieinhalb Esslöffel! Ich konnte der Suppenköchin bei der Zubereitung meiner Schale zusehen, sonst hätte ich es nicht geglaubt. Ob man sich daran gewöhnt? Kann ich nicht sagen, da ich keine Lust auf einen weiteren Versuch hatte…

Ein neue, tolle Erfahrung war eine Hühnersuppe mit Bittergurke.

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Die Bittergurke war sowohl roh in feine Scheiben gehobelt, wo sie ein radieschenzartes Bissgefühl mit einer deutlichen angenehmen Bitternote verband. Dazu gab es ein Stück gedämpfter Bittergurke. Überreicht von einem Motorrad-Garküchen-Suppenonkel, der sich gefreut hat, dass seine Bittergurke begeisterte Ahs und Ohs hervorgerufen hat. Dieses Gericht gab es – oh Wunder- tatsächlich in Ao Nang. Ein Ha Loy für eine außergewöhnliche Suppe, besonders an diesem Ort, dem Rimini Thailands.

Als Reminiszenz zur Blogparade zum Abschluss meine Suppenparade, ebenfalls keine wertende Reihung:

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Dieser Artikel ist auch Teil eines großen Ganzen, nämlich der Blogparade, einem Projekt auf flocutus.de. Ein empfehlenswerter Travelblo mit vielen konkreten Tipps und Informationen.

3 Comments

  1. Das ist mal ein Unique Selling Point und ich bin ganz bei Euch, v.a. wenn man die Curries mit dazu nimmt. 😉

    Die einzige Suppe, die ich in Thailand manchmal vermisse ist eine “fischige Suppe”, wie z.B. Laksa in Penang oder Canh Chua Ca in Vietnam.

  2. Da hast Du auf jeden Fall Recht, “fischige” Suppen sind unterrepräsentiert. Aber es wäre ja auch ungerecht, wenn ein Land alles hätte, wozu dann noch woanders hin reisen?

    Evi
  3. Pingback: Reise-Food: Dein Essen ist nicht mein Essen! - Blogparade

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