Rücksturz nach Yogya

Aus dem Orbit Penang folgt der Rücksturz nach Yogya.

“No Problem, Sir, we will find a solution for you …”

Das sind die Worte, die man in so einer Situation gerne hört. Gerade haben wir unseren Anschlussflug in Medan nach Batam verpasst und ich nestle noch an meinem Gürtel, den ich beim Security-Check abnehmen musste, um wieder Halt in meiner Hose zu finden.

Um es den nettem Bodenpersonal aber noch ein bisschen schwieriger zu machen, zeigen wir ihnen unsere restlichen Boardingpässe, die nach Batam und im Anschluss noch nach Yogyakarta weisen. Also insgesamt haben wir drei Flüge für diesen Tag gebucht, davon logischerweise zwei Anschlussflüge.

Aber wir stehen in Medan am Gate A3 und sehen unserem Flugzeug nach. Komisch, in diesem Moment ist der ganze Druck merkwürdig von mir abgefallen.

  1. Wir sind wieder in Indonesien.
  2. Wir haben ein 60 Tage-Visum erhalten.
  3. Wir wurden nicht verhaftet, weil wir Alkohol ohne Deklaration eingeführt haben.

“Das ist doch ein Erfolg! Oder?”

Irgendwie kommen wir schon weiter. Aber warten wir mal ab, was Lion Air mit uns anstellen wird…

Diana wird’s schon richten

Uns wird eine junge, kleine indonesische Mitarbeiterin des Bodenpersonals zugewiesen, die unser Bündel Boardingpässe in der rechten Hand hält und uns auffordert ihr zu folgen. Ihr Namensschild am Revers weist sie als Diana und noch irgendwas aus. Also dackeln wir drei los. Sie voraus, wir im Schlepp. Sie, enge straffe schwarze Steghose mit hellblauem Uniformhemd, das farbgleich in den Hijab übergeht. Wir, verschwitzt, in unseren Reiseklamotten, die schon ziemlich zerknittert aussehen.

Bestimmten Schrittes, aber irgendwie lässig langsam schreitet sie vor uns her und die Boardingpässe haltende Hand streckt sie ein bisschen zur Seite, so als wollte sie damit ihre wichtige Mission ein bisschen unterstreichen. Wir durchqueren eine Glastüre, biegen um mehrere Ecken, ein kurzes Gepräch mit anderen Kollginnen an einem Help-Desk, um eine weitere Tür zu öffnen. Wenn wir ihr Gesicht von der Seite erkennen, schaut sie ernst, aber wenn wir uns ansehen, lächelt sie ein wenig und nickt ein bisschen.

So auch, als wir einen Fahrstuhl betreten und verlassen. Kein Wort fällt. Ich überlege ob ein bisschen Smalltalk die Anspannung etwas auflockern könnte… aber halte dann doch mal meinen Mund (man muss auch mal schweigen können). Wir durchqueren den Flughafen über den Keller (gibt es hier sowas?), das Dachgeschoss und erreichen überraschend um eine Ecke herum den Check-In Bereich von Lion Air, an dem wir unsere Rucksäcke aufgegeben hatten. Mit einem sphinxähnlichen Lächeln bedeutet sie uns, vor einem Help-Desk zu warten, während sie dahinter einen Kollegen anspricht.

Der Meister der Tickets

Farih, eine ca. 25jähriger stämmiger Mann, mit der gleichen Uniform, schaut nicht von seinem Bildschirm auf, während er unser Bündel Boardingpässe binnen Sekunden erfasst und dann blitzschnell in seine Tastatur tippt. Ein etwas in die Jahre gekommener Nadeldrucker beginnt zu rattern. Nach eine zwei Seiten stopt das Grät und er reisst die Seiten sorgfältig ab, reicht sie einem wirklich jungen Kollegen weiter, der mit einem Metalllineal, die Seiten weiter vorsichtig unterteilt, faltet und über die Metallkante trennt. Dann werden die einzelnen Bladl gestempelt und, voila, fertig ist das Werk. Gelächter allenseiten und die Bladl werden einer weiteren Mitarbeiterin gereicht, die gerade noch dem ganz jungen Metalllinealburschen einen freundlichen Klapps auf den Hintern gegeben hat (scheint ein gutes Betriebsklima bei Lion Air zu sein). Die junge Dame mit den Blättern verschwindet und erscheint nach ein paar Minuten wieder hinterm Help-Desk ohne Bladl. Aha, das waren gar nicht unsere neuen Tickets.

Sabar!
(Geduld!)

Farih, blickt weiterhin gebannt in seine Kristallkugel, während Diana zu einem Check-In-Schalter mit unseren Boardingpässen nebst Gepäckscheinen schlendert. Jetzt heißt es wach bleiben, aber machen können wir nichts. Derweil erscheinen irgendwelche Menschen bei Farih, rufen im Code-Nummern zu, die sie telefonisch oder via Smartphone erhalten haben. Ehrlich, wir stehen hier komplett ahnungslos, ausgeliefert und nackt und harren der Dinge, die da kommen mögen. Aber es ist ein Gefühl von, die jungen Leute um uns herum wissen schon was sie machen und machen dies auch nicht zum ersten Mal. Nach vielleicht einer halben Stunde, ist der Zauber vollbracht. Diana hat ein paar neue Boardingpässe und erläutert uns, dass wir umgebucht sind über Jakarta nach Yogya zu fliegen. Gepäck ist geklärt und

“semua beres”
(ois roger)

Aber ihr Auftrag ist noch nicht beendet, denn der Flug nach Jakarta geht bereits in einer halben Stunde (12:30). So geleitet sie uns bis zum Gate. Diesmal tatsächlich über die Fast Lane (die Schranke davor heißt auch wirklich so; ha, Beziehungen muss man haben), aber trotzdem durch den Security-Check, sodass ich mal wieder mit meinem Gürtel hadere, als Diana (ganz französisch) uns durch eine Glastür verlässt, kurz lächelt und wir nicht die Chance haben uns ausführlich für diesen Rundum-Service zu bedanken.

“Ein Hoch auf Diana, ein Hoch auf Farih, ein Hoch auf Lion Air!”

Keine fünf Minuten vergehen und wir gehen an Bord.

Entspannung! Kein Stress. Gute zwei Stunden Flug nach Jakarta.

Jakarta ist aus der Ferne betrachtet eine Schau

Hier werden wir erst einmal im Kellergewölbe mit ein paar anderen Weiterreisenden zwischengelagert. Danach geht es “langsung” (= direkt) per Bus zum nationalen Abflugbereich. Falls der geneigte Leser es vielleicht vergessen haben sollte: wir kommen aus dem nationalen Ankunftsbereich. Es scheint als hätte jemand vergessen beim Domestic-Flughafen eine Verbindungstür einzubauen…  Wir gönnen uns um ca. 16:00 Uhr ein Tüte Pommes und einen Liter Wasser (die erste Mahlzeit nach dem Frühstück). 30 Minuten noch bis zum Abflug nach Yogya. Security-Check. Boarding. Pack mas!

Jakart Luftbild
Jakarta in der Abenddämmerung – zentral die Hochhäuser, westlich Bekasi, östlich Tanggeran, südlich (nicht auf dem Bild) Bogor

Mit einsetzender Dämmerung überfliegen wir Jakarta. Eher JaBoTaBek (= Jakarta, Bogor, Tanggeran und Bekasi). Wow, was für ein Siedlungsbrei.

Ankunft in Yogya

Yogyakarta? Wieso gibt es eigentlich kein Lied über Yogyakarta? Vermutlich gibt es schon eins, aber eben kein weltberühmtes. Yogya hätte es verdient!

Wir landen hier, als es bereits dunkel ist.

 

Es regnet. Der Flughafen ist überschaubar groß und man verlässt das Flugzeug über eine Treppe. Damit man trocken im Flughafengebäude ankommt, bekommt man am Ende dieser Treppe einen Schirm gereicht und schlendert so zum Eingang.

Regenschirme zur Begrüßung
Regenzeit in Yogya – Regenschirme zur Begrüßung – mit Schirm und Charme erreicht man das Flughafengebäude

“Sehr entspannt!”

Diesmal ist das Warten am Kofferband ebenso entspannt. Und es geht zügig. Koffer nach Koffer erscheint. Der übliche Tanz um den besten Platz und möglichst wenig Distanz zwischen Koffertrolley und Kofferband beginnt. Man fährt sich gegenseitig über die Füße und entschuldigt sich höflich (hier erkennt man bereits die feine höfliche Art der Javanen). Sehr entspannend, daneben zu stehen, kein Zeitdruck zu haben. Und … unsere Rucksäcke kommen nicht!

“Und? Was soll’s .. Hauptsache, wir sind in Yogya.”

Außerdem. Es gibt einen Gepäckschein und ein Büro, das für Gepäcksuche zuständig ist. Die Damen am Ausgang checken hier sowieso jeden Gepäckschein und so erkundigen wir uns, ob sie mit unserem Barcode etwas anfangen können. Die Dame im Lion-Air Kostüm erkennt auf Anhieb, dass sie bereits unsere Rucksäcke im Büro gelagert hat. Sie sind mit dem Flieger aus Batam gekommen und dann herrenlos auf dem Kofferband Karussell gefahren, bis sie sich ihrer erbarmte.

Klang von Yogya

Nein, jetzt nicht sofort Gamelan: Erst einmal Bus fahren. Super komfortabel für Budgetreisen. Ein direkter Zugang zum Trans Yogya Bus. Ein Bussystem, mit festen Haltestellen, airconditioned Bussen, festen Fahrpreisen, fast pünktlichen Abfahrtszeiten! Yeah! Wie, äh, wie … wie in Deutschland.

Aber der große Unterschied sind die Menschen. Und es beginnt mit der Sprache:

Hier wird in der Regel javanisch gesprochen, nicht indonesisch, außer orang asing (Fremden). Ziemlich kompliziert, mit verschiedenden Höflichkeitsebenen und Umlauten und Zischlauten und für alle die es richtig kompliziert haben wollen … mit eigenen Buchstaben. Jedoch das Tolle ist: Diese Sprache klingt. Es wird noch besser. Wenn ein Javane Bahasa Indonesia spricht, dann überträgt er diesen Klang aufs Indonesische! Toll!

Man betritt also die Haltestelle und wird gefragt, wo man hin will. Und dann ist man ganz verzaubert, da die Frage schon so schön klingt, dass man ganz vergisst, wo man eigentlich hin will. Naja, so extrem ist es nar klar nicht, aber es ist einfach schön. Wir sagen also:

“Museum Biologi” (im Jakartaslang dahin gesprochen)

und bekommen ein

“satu orang tiga-ribuh lima ratus” (Gesang)
(pro person 3500)

Yogya ist klasse! Wir fühlen uns sofort zuhause. Ich weiß nicht, ob ihr das kennt, man kommt irgendwo hin und weiß sofort, das wird gut. Und so wurde es auch:

 

Eine 1,5 stündige Busfahrt (Stau), leichter Regen, ein bisher noch nicht erlebter kurzer Fußweg zur Herberge, ein sauberes Zimmer, warm duschen (ja, das ist auch in den Tropen toll, gerade in der Regenzeit), ein kalter Pool, nochmal warm duschen, um die Ecke ein Satestand mit Sate yogyastyle (keine Erdnusssauce, sondern nur ein Gemisch aus Kecap asin und manis mit kleinen roten Zwiebeln, sauer eingelegtem Gemüse), so lecker, dass wir prompt das Bier vergessen haben, dass wir uns im Laufe des Tages versprochen haben. Für alle, die uns kennen, keine Angst, wir sind in Südsumatra nicht zu Antialkoholikern geworden, obwohl die Gefahr bestand.

Der Gamelanwahn beginn

Siterspieler
Am Wochenende gibt zum Frühstück musikalische Untermalung – wieso sollten wir hier wieder weg gehen?

 

Am nächsten Morgen besuchen wir den Kraton und geben uns knapp zwei Stunden javanisches Gamelan mit Tanz. Erstaunlich gut besucht, denn wenn Tanz angeboten wird, sind die Besucher des Kraton leichter zu gewinnen.

Foto
die Suche nach dem perfekten Motiv

 

Tarian
Die Vorstellung hat begonnen und als Lehrerin hast Du jetzt keinen Einfluss mehr – puh! – Trainer am Spielfeldrand …

Auf dem Alun-Alun, dem großen Platz (ca. zwei drei Fußballfelder) ist, wie immer zu Sekaten, Volksfest. Hier gibt es alles. Schausteller, Fahrgeschäfte, Verkaufs- und Fressbuden.

Sekaten
Wiesn-Stimmung am Alun-Alun – Volksfest zu Sekaten

Der Neuheit dieses Jahr ist eine Lumba-Lumba (Delphin) Show. Sorry, das sparen wir uns. Ansonsten die üblichen Verdächtigen: Steilwandfahrer, Autoshows, Riesenräder (eher kleiner), handbetriebene Karussells, Angeln für Kinder (nein keine echten Fische, nur mit Magnet und Plastikenten – süß).

Sekaten Attraktion
“Komm und werde Zeuge”

Wir entspannen! Aber schon jetzt ist klar, die geplante Zeit in Yogya ist zu kurz (nur 5 Nächte). Trotzdem ist genug Zeit, um das Gamelan Sekaten zu sehen und im Kraton abzuhängen, um einen Gamelaneinstieg zu erhalten.

Gamelan Sekaten Spieler
Gamelan Sekaten bei der Mesjid Ageng (der großen Moschee) – nur hier und jetzt, nur zu Sekaten-Zeit

 

Tagesablauf: Frühstück – Kraton (Gamelan) – Mittagessen – Istirahat (aka Siesta) – Pool – Abendessen – Schlafen

Sitztechnik
Im Kraton: Die ultimative Sitztechnik für alle geplagten Gamelanspielerinnen (keine eingeschlafenen Füsse mehr!)

 

Und wir können eine gute Freundin aus Yogya besuchen, die in München ein paar Jahre gelebt hat. Ein lustiger gemeinsamer Nachmittag, in ihrem Haus, etwas außerhalb von Yogya. Lecker kue-kue (Kuchen, muss hier allerdings nicht immer süß sein) und danach eine selbst gekochte Soto Ayam (Hühnersuppe – das hört sich auf deutsch ziemlich mager an, ist aber in Indonesien eine der besten Suppen!).

Wir müssen nach Semarang

Semarang. Für Semarang gibt es ein Lied. Keine Ahnung, ob es weltberühmt ist, aber es ist ein schönes Lied:
Gambang Semarang

“Wieso fährt man nach Semarang?”
“Wegen einem 36-Stunden-Gamelan-Marathon”

Es ist das Ereignis des Jahres, um all den verstorbenen Gamelanmeistern zu gedenken. Es wird hier im lokalen Zweig des staatlichen Radios Indonesiens (RRI Semarang) 36 Stunden lang durch gegamelt (sorry, so ein billiges Wortspiel: gamel bedeutet hämmern).

Ankündigungsbanner Gamelanevents
13 Gamelangruppe, 36 Stunden, unzählige Gamelanisten, Sänger, Helfer, Ehrenträger, Großkopferte – der Wahnsinn!

Kurz das Event war so beeindruckend, dass wir uns entschlossen haben, nicht gleich, sondern in einem gesonderten eigenen Beitrag darüber zu berichten. Da wollen wir nicht hudeln, sondern was Hübsches draus basteln. Vorab: Es war ganz anders, als wir es uns vorgestellt haben.

Von Semarang heißt es, es ist eine hässliche Industriestadt. Was wir von Semarang gesehen haben, bestätigt dies jedoch nicht. Diese Stadt liegt am Hang und hat durchaus hübsche Viertel und Ecken. Sicher ist der industrielle, flache Teil im Norden (zum Hafen hin) weniger ansehnlich, aber da muss man ja nicht hingehen. Aber wir wissen mittlerweile:

Traue Niemandem, nicht dem Internet, nicht der Aussage anderer Reisender und auch nicht der eigenen Website!

Die Schönheit eines Ortes erschließt sich nicht aus seiner Funktion, aus Wohlstand und schon gar nicht aus einem Renommee. Schönheit kommt von innen, das gilt bei Städten, wie bei Menschen.

Von Semarang nach Solo

Dennoch brechen wir unsere Zelte ab und fahren nach Solo, eine entspannte, kurze Strecke von nur 3 Stunden für ca. 75 Kilometer.
Es gibt einen neuen Busterminal in Solo, wie ein Flughafen, mit verschiedenen Flügeln und kostenpflichtigen Drehkreuzen (1000 Rp = 7 cent), an denen eine freundlicher Mensch steht, der einem ein Abreißticket in die Hand drückt, nicht ohne es vorher abzureissen. Danach passiert man das noch nicht montierte Drehkreuz und hat Zugang zu den “Fasilits”: Moschee, Toilette, Warungs, Sitzbänke, sauberen Fliesenboden. Merkwürdig, wir kommen an und befinden uns nicht im Terminal, sondern außerhalb des Drehkreuzbereiches.

Durchquert man das Terminal zum Westausgang, begrüßen einen, wie üblich, ein paar Taxler und Becakfahrer. Aber nicht aufdringlich, sondern man erkundigt sich vielmehr wohin man möchte. Da wir die Strecke zu unsrer Unterkunft kennen, leisten wir uns eine Becak (30 000 = 2,10€ für 3,5 km; eigentlich ein Mondpreis, aber heute ist uns danach). Herrlich! Eine Becakfahrt mit einer kühlen Brise nach dem Busmief AC ist jetzt genau das Richtige. So erreichen wir unser Homestay in Solo, bei einsetzendem Regen (mit aufgespanntem Schirm, den wir vor uns halten). Schade manchmal, dass wir uns nicht selbst photographieren.

Gamelan in Solo

Eigentor im Homestay

Es regnet in Strömen und es ist ja bekannt, dass Gamelan bei Regen ausfallen kann. Hier im Homestay wird damit geworben, dass Gamelan gespielt / geprobt wird und man daran teilnehmen kann. Das ist doch ein echtes Verkaufsargument.

Um kurz nach 9 abends erscheinen ein paar Jugendliche, gefolgt von einem zauselig unfrisiertem, dreizähnigem Guru, der prompt die junge Spaniern anbaggert, die wir nachmittags im Homestay kennengelernt hatten und überzeugen konnten, mit zu den Proben zu kommen. Mit ihm erscheint eine Dharmasiswa (Kunststipendium in Indonesien) Studentin. Sie ist aus Ungarn und wir haben gemeinsame Bekannte (ist die Welt nicht klein).  Sie ist eine Pesindhen, wie die Sängerinnen im Gamelan heißen, und ihre Stimme ist toll (wie eine echte Pesindhen).

Wir haben also eine kleine Besetzung im riesigen Gamelanzimmer (da müssen wir zuhause noch anbauen, vielmehr, da müssen wir neu bauen). Auf Einladung, darf ich am Saron mitspielen (puh, zum Glück nicht so schwierig). Allerdings nervt der Guru mit der Aufforderung für jedes Stück, das wir spielen, möge ich ihm eine Euro zahlen. Ein Scherz? Ich blödle und ziehe den Vergleich mit einem Wurlitzer – indonesiastyle. Das fand er dann auch lustig und mimt den Münzeinwurf mit seinem Mund nach.

Trotz Späßle ist die Stimmung sehr angespannt, da der Guru die Sängerin immer wieder dupfen muss, aus unterschiedlichen Anlässen. Kaum ist die Probe beendet, machen sich alle schleunigst vom Acker…

Das letzt mal (vor drei Jahren) als wir hier vorbei kamen, spielten hier noch zwei große Gruppen…

Der Ausgleich:

Tanzprobe im Kraton Mangkunegaran. Wir sind ein bisschen zu früh und können so die Probe von Anfang an miterleben. Ein offener großer, ja riesiger Pendhopo (so heißen hier die offenen wandlosen Gebäude). Im Eck ein komplettes Gamelan, das in diesem Pendhopo winzig wirkt.

Der kleine Kraton in Solo (Surakarta). Ein unglaublich großer Pendhopo (Empfangshalle) in dem die Tanzübungen stattfinden. Die Tänzer mögen den kalten Marmorboden geniessen, wir sitzen auf unseren Taschen … (das haben wir in Yogya gelernt)

Kurz vor 10 Uhr tröpfeln die Gamelanisten ein, und nehmen Platz. Ein Eröffnungstück wird gespielt. Bevor es endet, sind die meisten Tänzer erschienen. Die Ibu Guru sitz ein wenig erhaben im Gamelan und dirigiert ihre Tänzer von hier aus. Jeder der erscheint, begrüßt sie erst förmlich (traditionell Herunterbeugen der Stirn an ihre Hand) und danach oft auch noch herzlich durch eine javanischen Kuß (cium). Nur noch mal zur Erwähnung Kuss ist nicht gleich Kuss. Hier ist ein “Cium” sowas wie ein Anschnuppern des Gegenüber.  Oberflächlich betrachtet sieht es ein bisschen nach einer französischen Begrüßung aus.

Pendhopo Mangkunegaran Begruessung
traditioneller javanischer Tanz: Begrüßungsszene -sehr getragen, sehr formell, sehr beeindruckend. Die große Kunst der Langsamkeit.

Das Gamelan beginnt die Begleitung zum Tanz zu spielen. Die Tänzer beginnen mit einer getanzten Begrüßung, alles sehr langsam und getragen. Die Ibu Guru tanzt quasi sitzend mit, deutet die Bewegungen an und wenn einer nicht korrekt tanzt, klatscht sie kurz in ihre Hände um die Aufmerksamkeit zu erlangen, dann wird deutend korrigiert. Streng, aber mit einem milden Lächeln, das die Tänzer devot erwidern.

Ibu Guru
leicht erhöht sitzt Ibu Guru unauffällig im Gamelan-“Graben” und dirigiert von hier aus ihre Schützlinge

Nach 2 Stunden, endet die Probe und die Ibu klatscht ihren Schülern Beifall (nur sie allein!). Dann trinkt man noch seinen Tee aus, trascht miteinander und erst dann verlassen die Teilnehmer das Spielfeld. Stimmung entspannt, freundschaftlich, Spaß hat es auch gemacht. Viele haben auch ihre Kinder mitgebracht. Es ist fast wie ein Familientreffen.

Mag sein, dass wir hier Äpfel mit Birnen vergleichen und mit Sicherheit gibt es alle möglichen Spielarten. Aber eines sollte doch hängen bleiben. Nur ein positive Grundstimmung gewinnt. Aber ist das nicht sowieso jedem klar?

Die nächsten Tage erholen wir uns von einem Schnupfen, den man sich hier trotz hoher Temperaturen (ach was, es ist kühl nachts – 23 Grad brrr) gelegentlich einfängt.


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7 Gedanken zu „Rücksturz nach Yogya

  • 31. Dezember 2016 um 12:14
    Permalink

    Selamat ulang tahun !!!
    Viele liebe Grüße von einem Mitleser.
    Dan selamat tahun baru!!

    Antwort
    • 31. Dezember 2016 um 12:33
      Permalink

      Hi Ihr Zwei!
      Terima kasih dan selamat tahun baru retour.
      Ich hoffe Ihr habt den Weihnachtsstress gut hinter Euch gebracht. Vielleicht ergibt sich ein Wiedersehen in Bali im März?
      Liebe Grüße aus dem Süden
      Peter und Evi

      Antwort
  • 5. Januar 2017 um 12:06
    Permalink

    Selamat ihr zwei!
    Hätte gerne Mäuschen gespielt und zugehört um die Stimmung zu geniessen.
    Sehr spannend wie verschieden die Stimmungen sein können.
    Bis dann! Ibu mitzi
    Bei uns sind inzwischen fast 20 in Worten zwanzig Grad minus . Da könnt ihr nicht mithalten.

    Antwort
    • 5. Januar 2017 um 15:16
      Permalink

      Selamat salju,

      ohweh, Ihr Frostgeplagten. Wir können hier nur auf hohem Temperaturniveau jammern. Heute um ca. zwei Uhr mittags, ging ein Starkregen auf Yogya nieder, der sich im Laufe des Tages in einen Landregen wandelte und wir heute wahrlich auf eine Poolrunde verzichten mussten – zu kalt! Haben uns schon akklimatisiert: Unter PLUS 27°C geh’n wir nicht mehr schwimmen und schon gar nicht wenn es regnet – die Haare könnten ja nass werden. Wobei viele Indonesier dann einfach die Hand auf den Kopf halten. Das würde aber zu Folge haben, dass man nur im Kreis schwimmt. Es ist aber auch wirklich schwierig hier im Süden ;-).

      Auf noch besseres Wetter hoffend.
      Peter & Evi

      Antwort
  • 12. Januar 2017 um 17:10
    Permalink

    Hallo Ihr Zwei,

    sind tatsächlich im März auf Bali – sollte also klappen. 🙂
    Sampai jumpa…..

    Antwort
    • 13. Januar 2017 um 12:16
      Permalink

      Halo muda-mudi,
      yes please! Wie einst im Oranje :). Bali ist immer für ein Treffen gut (DSJ-Reunion-Kecil).

      Antwort
  • 16. Januar 2017 um 21:11
    Permalink

    Whouuuuh,
    das war eine Mammutinformation und noch dazu erste Infos über die lang vermisste Gamelan-Feldforschung. Übrigens der Zitherspieler hat mich darin erinnert, dass wir auch ein solches Instrument besitzen. Ihr kennt es. Aber mit der Besaitung und Stimmung scheint einiges nicht zu stimmen. Was ist zu tun um den
    Originalklang herzustellen. Könnt Ihr helfen??
    Freue mich auf Eueren nächsten Bericht. Sampai jumpa lagi – MawarPa.

    Antwort

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